Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des neunjährigen Mitja aus Leipzig sind gestern zahlreiche Beweise für die pädophile Neigung des Angeklagten vorgelegt worden. In der Wohnung und der Laube des 43-Jährigen seien unter anderem Ausrisse aus Katalogen und Werbeprospekten mit Bildern von leicht bekleideten Kindern gefunden worden, berichtete ein Ermittler vor dem Landgericht Leipzig am dritten Prozesstag. Außerdem habe der mehrfach vorbestrafte Kinderschänder ein selbst zusammengeschnittenes Video besessen, das wenig bekleidete Mädchen und Jungen im Kinderfernsehen und Ausschnitte von Kindesmissbrauch aus Krimi-Serien zeigte.
"Wenn das nicht die Rückfallgefahr belegt und für eine Sicherungsverwahrung reicht, was dann", sagte Opferanwältin Ina Alexandra Tust. Sie vertritt Mitjas Eltern in der Nebenklage und fordert die Höchststrafe - lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung. Uwe K. hatte zum Prozessauftakt gestanden, Mitja am 22. Februar sexuell missbraucht und erstickt zu haben. Morgen sollen die Gutachten des Gerichtsmediziners, der Mitjas Leiche untersuchte, und des Kriminalpsychologen zur Gefährlichkeit des Angeklagten gehört werden. Das Urteil wird für den 11. September erwartet.
Am dritten Prozesstag berichteten mehrere Polizisten, dass weder Bekannte, noch Anwohner oder Freunde von der pädophilen Neigung und den einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten gewusst hätten. Sein Umfeld habe ihn als freundlich, hilfsbereit und unauffällig beschrieben.
In einer vor Gericht verlesenen Stellungnahme erklärte der ehemalige Sexualtherapeut, der Angeklagte habe sich geweigert, über seine sexuellen Neigungen zu sprechen. Er bezeichnete sich selbst als heterosexuell. Polizeierkenntnisse zeichnen ein anderes Bild: Die Überprüfung der Telefongespräche von Uwe K. ergab, dass er sich mehrfach bei Agenturen meldete, die homosexuelle Partner vermitteln. Den Angaben eines früheren Sexualtherapeuten von Uwe K. hat dieser zwischen 2001 und 2004 immer häufiger Sitzungen abgesagt oder erschien nicht. Der Therapeut bezeichnete ihn als Alkoholiker, der seine Taten stets unter Alkoholeinfluss beging. Nach einer Einschätzung des Experten bestand damals bei Alkohol-Abstinenz keine Rückfallgefahr. (dpa/uf)