In Friedenau, einem kleinen Stadtteil zwischen Willmersdorf und Schöneberg, haben Renate und Christian Timm ein neues zu Hause gefunden. „Friedenau ist ein wunderbarer Stadtteil“, schwärmt Christian Timm. Überhaupt sei Berlin etwas ganz anderes als Herzberg, will er dick unterstrichen wissen. „Wenn wir Lust haben, gehen wir in den Zoologischen Garten, in die Philharmonie, in die Kaiser- Wilhelm-Gedächtniskirche oder in die Matthäuskirche in Neukölln zu Kulturforen“, sagt der Neu-Berliner.

Als Timms aus Herzberg weggingen, haben sie immer betont, dass sie sich darauf freuen, wieder mehr Zeit für die Familie zu haben. Diese Rechnung ging auf. „Wir sind tüchtig in das Familienleben eingespannt. Wenn die Enkelkinder krank sind, wird nach den Großeltern verlangt“, erzählt Christian Timm mit einem Lachen im Gesicht. Der Sohn wohnt mit seiner Familie in Nordhorn an der holländischen Grenze, die Tochter mit ihrer Familie in Braunschweig. „Da sind wir oft mit dem Zug oder dem Auto unterwegs“, so Christian Timm. „Meine Frau ist dazu noch sehr mit Verpflichtungen in ihrer Familie, der Familie Schorlemmer, eingebunden. Das macht sie wie immer mit sehr viel Power und Tiefgang“, so der 68-Jährige.

Auch wenn er jetzt im Ruhestand ist, so lässt die Kirchenmusik den ehemaligen Kantor nicht los. „In der evangelischen Kirche Zum guten Hirten in unserem Berliner Stadtteil ist die Pfarrstelle derzeit unbesetzt. Da habe ich neulich ein paar Gottesdienste gespielt“, erzählt er. Ansonsten aber seien die Aufgaben in der Gemeinde sehr gut abgesteckt. Das Weihnachtsfest in der Kirche wird gelingen. Choraufgaben braucht er nicht zu übernehmen.

In dem Haus, in dem Timms wohnen, gibt es einen Musikraum. Hier proben Studenten, und der Verein „Friedenauer Kammerkonzerte“ organisiert darin alle 14 Tage Kammermusikveranstaltungen. „Ich bin in diesen Verein eingetreten mit der Absicht, mich mit der Zeit dort federführend zu betätigen und dabei meine Beziehungen aus der Herzberger Zeit zu nutzen“, sagt Christian Timm. Das heißt, dass Künstler, wie zum Beispiel die Sängerin Simone Ditt oder der Sänger Burkhard von Puttkammer, mit denen er in Herzberg viel zusammengearbeitet hat, künftig auch in Friedenau zu hören sein werden.

Der Stadt Herzberg und vor allem den vielen Freunden, Bekannten und Nachbarn, sind Christian und Renate Timm noch immer eng verbunden. „Ja, die Sehnsucht nach Herzberg ist noch da. Und wenn wir mal in der Stadt sind, wissen wir gar nicht, wen wir zuerst besuchen sollen“, sagt der Kantor im Ruhestand. Manchmal kommt er noch zum Schachspielen. Denn noch immer ist er Mitglied der Schachmannschaft der Herzberger Königsspringer.

Auch am heutigen Freitag ist Christian Timm hier. Er spielt beim Weihnachtsoratorium um 19.30 Uhr in der Schliebener Kirche das Cembalo. „Ich habe beim Oratorium im Chor gesungen und es viele Male dirigiert. Jetzt spiele ich das Cembalo. Das ist für mich ein schöner Dreiklang“, sagt er. Er freut sich, dass die „Timm-Nachfolger“ Pfarrerin Jutta Noetzel und Kantor Gerhard Noetzel ihn darum gebeten haben. „2010 wurde in Herzberg kein Weihnachtsoratorium aufgeführt. Noetzels haben mir damals gesagt, dass sie mich aber 2011 einladen werden, um das Cembalo zu spielen. Sie haben Wort gehalten“, so Christian Timm.

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Zur PersonSeit Dezember 1976 waren Renate Timm als Pfarrerin und Christian Timm als Kantor in Herzberg tätig. Beide haben einen großen Anteil daran, dass die Kirche St. Marien, das Pfarrhaus und die Orgel umfassend saniert wurden.