Beim „Red Label“-Defilee der britischen Designerin saßen neben Topmodel Kate Moss auch die US-Schauspielerin Pamela Anderson in der ersten Reihe. Neugierde rief dabei ein Mann hervor, dessen Kopf vollständig von einer weißen Maske umhüllt war. Er saß neben der ehemaligen Baywatch-Nixe, die in einem goldenen kurzen Kleid kam. Um wen es sich bei dem geheimnisvollen Mann handelte, blieb ungeklärt.

Westwood präsentierte in der Brompton Hall am Earl's Court Mode, die nach Angaben der Schöpferin ein „eher exotisches und abenteuerliches Temperament“ habe. Zu den Gästen zählte auch die Edelstripperin Dita von Teese, die Schauspielerinnen Mischa Barton und Emma Watson sowie Erin O'Connor und Pixie Geldof.

In ihrer Kollektion für den kommenden Sommer kombinierte die 67- jährige Westwood folkloristische Elemente mit klassisch femininen Schnitten. Neben den charakteristischen warmen Naturtönen und Schottenmustern dominierten Kleider mit Wasserfallausschnitt, weite Haremshosen und kurze Kapuzenkleider. Daneben gab es auch den nötigen Glamour: Ein Model lief barbusig und nur mit einer goldenen Lamé-Hose bekleidet über den Laufsteg - für weniger Wagemutige gab es auch entsprechende Mäntel und Jacken.

Zuvor hatte die in Brasilien geborene Designerin Daniella Helayel ihre „Issa“-Sommerkollektion vorgeführt, bei der auch das Top-Model Naomi Campbell über den Laufsteg schritt. Die Show vor dem Naturhistorischen Museum wurde auch von den beiden Prinzessinnen von York, Eugenie und Beatrice, besucht.

Die Londoner Modewoche gilt gemeinhin als besonders schillernd. Doch als die Messe vor einer Woche begann, hätte die Stimmung nicht schlechter sein können. Wegen der Finanzkrise wurde befürchtet, dass die Kauflust gedämpft wäre und wichtige US-Einkäufer fernbleiben könnten. Zudem drohte die Modewoche von sechs auf nur vier Tage verkürzt zu werden. Doch statt zwei muss die Modewoche nun nur einen Tag abgeben, und die Kleider für den kommenden Sommer spiegelten eher Lebenslust als Depression.

Außergewöhnliche Schnitte gab es diesmal nicht zu sehen. Marios Schwab hatte seinen Models Kleider angezogen, die griechischen Chitons ähnelten, und sie mit Tauen über den ganzen Körper festgezurrt. So verpackt erinnerten sie an die Werke der Verpackungskünstler Christo. Generell aber wirkten die Entwürfe der Designer bequem und tragbar: Fließende, den Körper umspielende Stoffe wie Chiffon, Seide und Satin waren ebenso Trend wie folkloristische Motive und florale Muster.

Graue Mäuse hatten 2009 keine Chance: Farbe ist ein Muss, sei es als zarter Pastellton oder kräftiger Farbtupfer. Beliebt sind Lila, Pink, Orange, Hellblau und Pistazie, die auch miteinander kombiniert werden dürfen. Mode mit warmen Erdtönen und Korallenrot zeigte der gefeierte Jung-Designer Christopher Kane. Er hatte sich vom Dschungel-Film „Planet der Affen“ anregen lassen und gab Leopardenmustern, Raubtiermotiven und Pelzbesatz eine zeitgemäße Form. Einzig für Luella Bartleys Mode braucht die Trägerin wegen schriller Töne neben Pastellfarben und der Kombination verschiedener Stoffe und Muster Mut: Ihre Faltenröcke, Minis, Kostüme und Rüschenblusen wirkten, als habe sie ältere Damen einer englischen Gartenparty aus den 50er Jahren in eine psychedelisch-schrille Gegenwart versetzt.

Es sind die neuen, meist etwas teureren Öko-Label, die hoffen, auch in wirtschaftlich schweren Zeiten punkten zu können. „Designer, die zeitlose und einzigartige Stücke herstellen, sind die Gewinner“, sagten Steve Furse und Jane deBono, zwei Designer des Öko-Labels „Revamp“ in London. „Wenn die Kunden weniger Geld haben, wägen sie ihre Ausgaben stärker ab. Sie suchen nach Qualität und etwas Besonderem. Wenn sie ihr Geld für ein Öko-Label ausgeben, fühlen sie sich weniger schuldig.“

Die neuen Öko-Marken, die in London unter dem Label „Esthetica“ Mode fern aller Öko-Klischees zeigten, hoben sich deutlich von herkömmlichen Herstellern ab. „Im Gegensatz zu den großen Modeketten sind wir nicht von Maschinen und Erdöl abhängig“, erklärte Antony Waller, PR-Manager des Labels „People Tree“. „Wir nähen selbst, wir weben selbst und setzen auf traditionelle Fähigkeiten. Wir produzieren somit auf eine einfachere Weise Mode.“

Geht es nach den Londoner Modeschöpfern, muss man trotz Krise auf Farbe und Glamour nicht verzichten. Vivienne Westwood schickte in ihrer „Red Label“-Kollektion sogar ein barbusiges Model mit golden glänzenden Lamé-Shorts über den Laufsteg. Doch diese Art von Sparsamkeit bleibt wohl nur den ganz Mutigen vorbehalten.