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| 02:58 Uhr

"Verrückter" Veteran auf vier PS

Rainer Schmatloch und sein Liebling: ein 4-PS-Opel. Der Calauer war auch bei der 1. Lübbenauer Oldtimerrallye 1963 dabei.
Rainer Schmatloch und sein Liebling: ein 4-PS-Opel. Der Calauer war auch bei der 1. Lübbenauer Oldtimerrallye 1963 dabei. FOTO: Jan Augustin
Calau. Am Wochenende knattert es in der Lausitz. 140 Oldtimer-Fahrzeuge haben sich für die dreitägige Lausitz Classic Tour angemeldet. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "50 Jahre Oldtimerrallye in Lübbenau". Sie ist ausgebucht. Von Anfang an dabei war Rainer Schmatloch aus Calau. Jan Augustin

Der Motor leiert kurz, dann knattert es schon. Eine Abgaswolke baut sich in der Garage auf. Rainer Schmatloch fährt seinen Opel 4/16 auf den Hof. "Er ist primitiv, zäh und man kann alles selber machen." Was sich anhört wie eine Beleidigung, ist in Wahrheit eine Liebeserklärung. Rainer Schmatloch ist versessen auf dieses Auto. Schon seine Mutter soll, nachdem sie im Kreis Calau als erste Frau einen Führerschein gemacht hatte, mit diesem Typ von Calau bis Paris und wieder zurückgefahren sein. Das war etwa 1929, schätzt Schmatloch: "Eine tolle Leistung." Die Reisegeschwindigkeit lag bei maximal 45 Kilometern pro Stunde.

Der Opel 4/16 (die 4 steht für Steuer-PS - die damals übliche Bezeichnung, die 16 PS stellt die eigentliche Leistung dar) hat ihn nicht mehr losgelassen. Gut 30 Jahre später fuhr er selbst das Modell - bei der 1. Oldtimerrallye in Lübbenau 1963. Wieder 50 Jahre später, nämlich ab dem kommenden Freitag, wird Rainer Schmatloch abermals Platz nehmen in seinem grünen Cabriolet und die rote Kelle zücken, um einen Fahrbahnwechsel bei der 6. Lausitz Classic Tour anzukündigen.

Start der Tour, die von den Motorsportclubs Lübbenau und Spremberg organisiert wird, ist am Freitag um 9 Uhr an der Hotelanlage "Am Mühlberg" in Klein Beuchow. Die 132 Kilometer lange Fahrt führt über Lübbenau, an Cottbus vorbei, auf den Spremberger Marktplatz (Ankunft: etwa 11.30 Uhr) und wieder zurück - unter anderem über Drebkau, Laasow, Saßleben und Bischdorf. Im Fahrerlager in Klein Beuchow können Interessierte ab etwa 14.30 Uhr die Teilnehmerfahrzeuge bewundern, teilt Werner George vom MC Lübbenau mit.

Die 107 Kilometer lange Strecke mit Wertungsprüfung am Samstag (siehe Karte) führt über Klein Radden, Luckau, Niewitz, Tropical Islands nach Dürrenhofe zur Mittagspause. Die Rücktour über Lübben nach Lübbenau endet voraussichtlich um 13.30 Uhr in der Poststraße. Die Oldtimer werden hier bis 17 Uhr ausgestellt. Danach geht's zurück ins Fahrerlager.

Am Sonntag erfolgt ab 9.30 Uhr eine gemeinsame Ausfahrt mit einem Wendepunkt in der Lübbenauer Altstadt, dem Marktplatz, Ehm-Welk-Straße, Paul-Fahlisch-Straße zurück nach Klein Beuchow. Um 11 Uhr ist dann die Gesamtsiegerehrung der unterschiedlichen Klassen geplant.

Der Kraftfahrzeugtechniker Rainer Schmatloch hat keine großen Ambitionen auf einen Sieg. Hauptsache seine Familie sei dabei. Der Sohn und die beiden Töchter samt Partner haben sich alle der "Oldtimerei" verschrieben. Auch sie werden wieder mitfahren. "Die sind alle von diesem Virus befallen und alle genauso verrückt", sagt der 76-Jährige.

Zum Thema:
Es gibt drei Klassen bei der auf 140 Oldtimer begrenzten und damit ausgebuchten Lausitz Classic Tour: 1. Historische Motorräder, 2. Historische Automobile, 3. Historische Technik. Die beim ADAC Berlin Brandenburg registrierte Tour unterscheidet fünf Altersgruppen. Fahrzeuge mit einem Baujahr bis 1930 gehören zur ersten Kategorie. In der fünften Klasse starten Fahrzeuge, die von 1971 bis 1983 gebaut wurden.