"Sehr entspannt" kam Autor Markus Orths am Mittwochabend in die Rote Bibliothek des Burger Hotels "Zur Bleiche", um aus seinen beiden Satiren "Lehrerzimmer" und "Hirngespinste" zu lesen. Mit zehn Zuhörern war der kleine, mit Holztischen, Polsterstühlen und roten Wänden eingerichtete Raum bis zum letzten Platz gefüllt. Markus Orths residiert seit gut einer Woche im Hotel, noch zweieinhalb Wochen wird er dort bleiben, entspannen und an neuen Projekten arbeiten. Und nach mittlerweile zwei Lesungen noch zwei weitere halten.

Der Schriftsteller aus Karlsruhe ist Preisträger des Spreewald-Literatur-Stipendiums Winter 2012/13, gestiftet von der Spreewälder Kulturstiftung und dem Hotel, das bereits als Schauplatz in John von Düffels Roman "Goethe ruft an" diente.

Den Stipendiaten bietet die Auszeichnung die Möglichkeit, sich vier Wochen lang ungestört der eigenen Arbeit zu widmen. Im Gegenzug lesen die Autoren während ihres Aufenthalts einmal pro Woche aus ihren Werken. Seit 2008 werden jährlich vier Autoren ausgezeichnet.

Die Spannbreite von Markus Orths Werken ist groß. Am 16. Januar las er aus seinem Roman "Das Zimmermädchen", einem Porträt der jungen Lynn, die den Beruf des Zimmermädchens bis zur Besessenheit ausübt. Am kommenden Mittwoch, 30. Januar, präsentiert Orths seinen aktuellen Roman "Die Tarnkappe", einen fantastisch-grotesken Thriller. Und am 5. Februar wird er aus seinem neuen Erzählband "Irgendwann ist Schluss" lesen, in dem es um uralte Ängste und existenzielle Bedrohungen geht. Auch Hörspiele und Theaterstücke gehören in Orths Repertoire.

Am Mittwochabend war die Lesung vor allem eins: lustig. "Lehrerzimmer" ist die Geschichte des jungen Lehrers Kranich, der eine Stelle an einem Gymnasium in Göppingen zugewiesen bekommt. Dort muss mit den eingefahrenen Strukuturen innerhalb der Lehrerschaft auseinandersetzen. "Bleiben Sie gesund!", wird Kranich schon beim Einstellungsgespräch eingebläut. Kranke Lehrer seien nämlich nutzlos. Wer die Schlüsselkompetenzen innehält, wie es auf der Lehrertoilette zugeht und dass die vier Säulen des Schulsystems "Angst, Jammer, Schein und Lüge" sind - Orths nimmt das Lehrerdasein gnadenlos auf die Schippe. Eine Pointe folgt der nächsten. Nicht nur die zehn Zuhörer, sondern auch der Autor selbst können sich das Lachen nicht verkneifen.

Ähnlich geht es zu in "Hirngespinste", der Fortsetzung von "Lehrerzimmer". Hier beschäftigt sich Orths mit dem Literaturbetrieb, lässt seinen Protagonisten Kranich nun als verzweifelten Schrifsteller auftreten, der sich vor allem darüber Gedanken machen muss, wie er die unzähligen Weinflaschen, von denen er bei jeder Lesung eine geschenkt bekommt, transportieren soll, ohne seinen Rücken vollends zu überlasten.

"Satiren schreibe ich rauschhaft", berichtet Orths, der genauso rauschhaft liest und die Zuhörer mitreißt. "Das denkt man sich doch nicht aus", heißt es nach der Lesung aus dem Publikum. Stimmt. Orths war tatsächlich einmal Lehrer - an einem Gymnasium in Göppingen. Und der Direktor seiner ehemaligen Arbeitsstätte sei wenig begeistert von seinen literarischen Ausführungen gewesen. Und nun erlebt Orths den Alltag eines Schriftstellers hautnah - fast so wie sein Held Kranich. Das Problem mit den Weinflaschen habe er aber noch nicht, versichert er.

Bisher hat Markus Orths die Zeit im Spreewald vor allem damit verbracht, zu entspannen. "Für etwas anderes ist es im Moment einfach zu kalt", sagt er. Aber in den kommenden Tagen will er sich die Gegend ansehen. Im Spreewald sei er schließlich noch nie gewesen. Außerdem stehen neue Projekte an, der nächste Roman, weitere Hörspiele und Theaterstücke. Weitere Lesungen: 30. Januar und 5. Februar, jeweils um 18 Uhr im Hotel "Zur Bleiche", Bleichestraße 16, Burg. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten (Telefon 035603 620).