Sie hätten es vor allem auf wehrlose und neugeborene Kälbchen abgesehen. Fest steht: Erste Todesopfer sind zu beklagen. "Vier meiner Kälber sind bereits verendet, andere verletzt", sagt Olaf Strese, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Kletzke (Prignitz). Andere Verursacher wie Füchse oder Greifvögel kommen für ihn nicht infrage. "Ich beobachte immer wieder, wie sich junge Kolkraben der Herde nähern und zwischen den Tieren aufmerksam herumlaufen", sagt er. Sie hätten genau im Blick, wenn eine Kuh kalbe. In diesem Moment griffen sie ihr Opfer offenbar an, berichtet er.

Der Verhaltensbiologe Dieter Wallschläger sieht die Rabenvögel zu Unrecht verdächtigt. "Kolkraben sind gar nicht in der Lage, ein lebendes Kalb anzugreifen", betont er. Über Jahrzehnte hat der emeritierte Professor an der Potsdamer Universität diese Vögel und ihr Zusammenleben mit Weidetieren in der Region untersucht.

Nach den Worten von Bauer Strese endet dieses Zusammenleben oft tödlich. Er hat aufgerissene Kälberkörper gesehen, mit freiliegenden Därmen und Innereien sowie herausgepickten Augen. Teilweise waren nur noch die Knochen vorhanden, erzählt er. Auf seinen beiden Weiden seien etwa ein Dutzend Vögel unterwegs.

Der Kreisbauernverband Stettin beziffert den Schaden, der durch Kolkraben entsteht, auf 3000 bis 4000 Euro.