nun wegen Kindesentführung festgenommen. Vor zehn Jahren soll er seine beiden Söhne entführt und seitdem mit ihnen unter falscher Identität in einer einsamen Waldhütte gehaust haben, berichteten französische Medien am Dienstag. Ziegenzucht statt Schule Die heute 17 und 18 Jahre alten Jungen seien nie zur Schule gegangen, sondern hätten ihrem Vater bei der Ziegenzucht geholfen. Xavier F. und seine Frau Catherine hatten sich bald nach der Geburt der beiden Söhne getrennt. Die junge Frau kam mit dem Hang ihres Mannes zum einsamen Leben am Rande der Gesellschaft nicht klar. Sie erhielt das Sorgerecht für die Kinder, aber ihr Mann durfte sie regelmäßig besuchen. Beim Weihnachtsbesuch 1998 nahm Xavier F. seine beiden Söhne mit und verschwand mit ihnen. Ein Gericht verurteilte ihn in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft, doch der Mann konnte nicht gefasst werden. Catherine forschte auf eigene Faust nach und fand zuletzt heraus, dass der Vater mit den beiden Jungen in einem Pferdewagen in Südfrankreich unterwegs war. Dann verlor sich seine Spur. Nach einiger Zeit ließ er sich in einer Scheune nahe einem kleinen Dorf südlich von Toulouse nieder. Das Grundstück gehört einem Deutschen, der ihn dort umsonst wohnen ließ. Im Gegenzug kümmerte sich Xavier F. um Handwerksarbeiten. Die drei sollen so gut wie autark gelebt haben: Sonnenkollektoren auf dem Dach sorgten für Strom, Wasser gab es frisch aus der Quelle. Xavier F. kümmerte sich um die Schafe und Ziegen, verdiente ab und zu etwas Geld als Erntehelfer und erzog seine Söhne nach seinen eigenen Maßstäben. Immerhin ist er studierter Naturwissenschaftler. Bewohner erkennt Gesuchten Ein Dorfbewohner erkannte schließlich eine Ähnlichkeit zwischen den Jugendlichen und den Fotos auf dem Fahndungsplakat und informierte die Polizei. Als Xavier F. Ende vergangener Woche festgenommen wurde, waren seine Söhne gerade zur Oliven ernte in Korsika. Sie kamen sofort zurück und trafen zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder mit ihrer Mutter zusammen. "Es war ein bewegender Moment", berichtete ihr Großvater. "Meine Tochter hat eine schlimme Zeit hinter sich", erzählte er. Die Distanz zwischen der Mutter und den Söhnen müsse jetzt erst einmal überwunden werden. "Schließlich hat man sie im Glauben gelassen, ihre Mutter habe sie damals verlassen", so der Großvater gegenüber den französischen Medien. dpa/ig