Die US-Ostküste rüstet sich für einen Jahrhundertsturm: Aus Angst vor Hurrikan "Sandy" wurde in New York am Sonntagabend vorsorglich das gesamte Verkehrsnetz lahm gelegt. Fast 400 000 Bewohner der Millionenmetropole waren aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Meteorologen erwarten, dass "Sandy" an diesem Montagabend (Ortszeit) irgendwo zwischen Washington und Boston auf Land trifft. Der Streifen gehört zu dem am dichtesten besiedelten in Amerika. "Ich denke, Montag und Dienstag werden schwierige Tage", sagte der Chef der New Yorker Verkehrsbehörde MTA, Joseph Lhota. Dass Busse und Züge wie U-Bahnen wegen schlechten Wetters gestoppt werden, gab es bislang erst einmal: Als Hurrikan "Irene" 2011 über New York hinwegzog. Der Sturm könne jedoch so viel Wasser auf das Land drücken, dass die Tunnel vollzulaufen drohen.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg forderte am Sonntag 375 000 Bewohner auf, wegen des drohenden Hurrikans ihre Häuser zu verlassen. Betroffen von den Zwangsevakuierungen sind vor allem die niedriger gelegenen Stadtteile im Süden Manhattans, darunter auch das beliebte Tribeca. "Dies ist ein ernstzunehmender und gefährlicher Sturm", warnte Bloomberg. Auch für schmale Inseln vor New York gab es Evakuierungsbefehle.

Den ganzen Tag über warnten Radio- und Fernsehsender die Bevölkerung an der Ostküste vor einem drohenden "Frankenstorm" - in Anlehnung an das von der Filmfigur Frankenstein geschaffene Monster. "Sandy" hatte in den Vortagen in der Karibik zu mindestens 57 Todesopfern geführt, wie die Behörden bestätigten.

Der befürchtete Sturm bremste auch den Präsidentschaftswahlkampf aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch Herausforderer Mitt Romney sagten Termine ab.

Airlines in den USA strichen nach Angaben eines Flugportals bisher mehr als 3000 Flüge. Hauptsächlich betroffen sei der New Yorker Flughafen Newark, gefolgt vom Internationalen Flughafen Washington-Dulles und Philadelphia. Auch vom größten deutschen Flughafen Frankfurt/Main wurden erste Verbindungen nach Nordamerika gestrichen.

Das Nationale Hurrikan-Zen trum ortete den Sturm am Sonntag noch einige hundert Kilometer vor North Carolina. Obama hielt am Wochenende eine Telefon-Konferenz mit den Leitern der Notfallbehörden in den betroffenen Regionen ab, wie das Weiße Haus mitteilte. Für die Bewohner der Hauptstadt Washington und mehrerer Bundesstaaten, darunter New York und Maryland, riefen die Behörden den Notstand aus.

Befürchtet wird, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stößt. Diese Kombination könne zum schwersten Unwetter seit August 1991 führen. Damals tötete Hurrikan "Bob" an der Ostküste vier Menschen und führte von South Carolina im Süden bis Maine im Norden zu hohen Schäden.

Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken. Hamsterkäufe führten zu ersten Engpässen. Viele Supermärkte hatten am Sonntag kein Wasser und keine Batterien mehr, Lebensmittel in Dosen wurden knapp.