Überlebende des schweren Busunglücks von Madeira mit 29 Toten haben ein Bremsversagen als mögliche Unfallursache bezeichnet. Die Behörden warnten vor vorschnellen Urteilen. Außenminister Heiko Maas reiste am Donnerstag auf die portugiesische Atlantikinsel. Er sprach mit Betroffenen, dankte den Hilfskräften danken und traf Amtskollegen Augusto Santos Silva treffen. Maas legte am Abend zusammen mit seinem portugiesischen Kollegen und dem Vizepräsidenten der Regionalregierung von Madeira, Pedro Calado, einen Kranz an der Unglücksstelle nieder nieder. Eine Bundeswehrmaschine soll am Samstag nach Madeira starten, um die bei dem schweren Busunglück verletzten deutschen Urlauber nach Deutschland zurückzubringen. Das verlautete am Freitagabend aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Am Karfreitag wurden noch 16 Verletzte im Krankenhaus Dr. Nélio Mendonça in Funchal behandelt. 2 von ihnen lägen weiter auf der Intensivstation, zitierte die Online-Zeitung „Observador“ die Klinikdirektion. In Lebensgefahr befinde sich aber niemand mehr.

Der Vizepräsident der Regionalregierung von Madeira, Pedro Calado, sagte, es sei noch zu früh für Aussagen zur Unfallursache. Der Bus sei fünf Jahre alt und noch vor kurzem zur Inspektion gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Am Flughafen von Funchal wurde eine provisorische Leichenhalle eingerichtet, zur Identifizierung der Opfer sollten Ärzte aus Lissabon eingeflogen werden. Das Krankenhaus in Funchal hofft darauf, die sterblichen Überreste der Opfer ab Samstag an die Angehörigen übergeben zu können.

„Der Bus wurde immer schneller“

Ein leicht verletzter Passagier berichtete noch am Donnerstag von seinen Eindrücken. „Ich denke, die Bremsen funktionierten nicht. Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen. Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einigen Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich“, sagte der Mann nach einem Bericht der Online-Zeitung „Observador“.

Er hatte sich laut Bericht bei dem Unfall eine Rippe gebrochen, seine Frau wurde am Nacken leicht verletzt. Alter und Herkunft des Ehepaars nannte „Observador“ nicht. Die Frau erzählte, dass ein Tipp auf dem Hinflug wohl dafür gesorgt habe, dass sie glimpflich davon kamen. „Im Flugzeug erklärten sie uns, was zu tun war. Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück“, sagte sie.

27 Menschen wurden verletzt

Die Bundesregierung machte bisher noch keine Angaben über die Zahl der ums Leben gekommenen Deutschen. Kanzleramtschef Helge Braun begründete das damit, dass zunächst die Angehörigen informiert würden. „Die Bundesregierung unternimmt nun alles, um dafür zu sorgen, dass schnell Gewissheit für die Angehörigen herrscht“, sagte er vor Journalisten in Berlin. Es sei „eine Reisegruppe von vorwiegend deutschen Urlaubern“ betroffen.

Die Urlauber wollten vom Hotel Quinta Splendida im östlich der Inselhauptstadt gelegenen Ort Caniço zu einem traditionellen Abendessen nach Funchal. Der Bus fuhr eine leicht abschüssige Straße hinunter und bog dann links ab. In der Kurve kam er - nur rund 250 Meter vom Hotel entfernt – von der Fahrbahn ab.

Der Bus stürzte mehrere Meter tief und schlug in ein Haus ein. Dessen Bewohner war laut „Observador“ nicht zuhause. Eine Augenzeugin sagte dem Sender TVI24, dass sie laute Schreie aus dem Bus hörte. Der Bus wurde am Donnerstagfrüh geborgen, auf Fotos klaffte ein großes Loch im Ziegeldach und der Rückwand des Hauses.

Reiseveranstalters trendtours betroffen

Der Reiseveranstalters trendtours teilte mit, dass nach Erkenntnisstand von Donnerstagnachmittag 51 seiner Gäste an Bord des Unglücksbusses waren. Der Veranstalter Schauinsland-Reisen meldete, dass zwei seiner Gäste im Bus saßen. Das wäre in der Summe ein Gast mehr als die mutmaßlich 27 deutschen Toten und die maximal 25 deutschen Verletzten.

TVI24 berichtete, dass zwei Busse mit deutschen Urlaubern von dem Hotel losgefahren seien. Der zweite Bus war in den Unfall nicht verwickelt. Der verunglückte Bus war erst fünf bis sechs Jahre alt, der Mann am Steuer galt als erfahrener Fahrer.

Staatstrauer in Portugal

Die portugiesische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis einschließlich Samstag an. Ministerpräsident António Costa kondolierte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er sei bestürzt und übermittle der Kanzlerin „in dieser schweren Stunde“ sein Bedauern, twitterte Costa noch am Mittwochabend. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa wird am Freitag auf Madeira erwartet.

Die sehr gebirgige „Blumeninsel“ von der Größe Hamburgs ist neben der Algarve das beliebteste Reiseziel der Deutschen in Portugal. Nach Angaben des Portals A-Z Madeira stellten Deutsche und Briten 2017 je ein Fünftel der 1,3 Millionen Urlauber.

Update: Bundesregierung prüft Einsatz von Luftwaffen-Airbus nach Busunglück auf Madeira Mindestens 29 Menschen sterben – vor allem deutsche Touristen

Funchal