Dabei sehen die Geschäftsinhaber das Center nicht generell negativ. Sie verbriefen ihm sogar eine gewisse Aufwertung des Einkaufsstandortes. Das zeigte sich während einer Ideenwerkstatt für ein Altstadtkonzept in dieser Woche, bei dem die Umfrageergebnisse erstmals vorgestellt wurden. Dazu hatten Altstadtverein und Universität eingeladen.

Trotz der neuen Einkaufsmöglichkeiten mit dem Carré ist einer der Hauptkritikpunkte der Passanten das Warenangebot. Laut der Umfrage wünschen sich 75 Prozent der Befragten eine größere Auswahl im Einzelhandel. Das würde aus ihrer Sicht für Attraktivität sorgen. Die Händler sehen dagegen vor allem Nachholbedarf in puncto Verkehr, Wohnen und Infrastruktur.

Die Befragung ist Teil einer eingehenden Untersuchung der Innenstadt. Diese Arbeit übernimmt der Lehrstuhl Stadtmanagement von Professor Silke Weidner an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) im Auftrag des Altstadtvereins. Dabei haben die Wissenschaftler durchaus Positives entdeckt.

„Die gute Mischung zieht die Leute in die Innenstadt“, erklärt Nadja Riedel. So finden sich Filialen großer Ketten in der Sprem. Dagegen dominieren am Altmarkt und in der Ebertstraße die inhabergeführten Geschäfte. „Einkaufen ist unabhängig vom Wochentag der Hauptgrund für einen Innenstadtbesuch“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin. Essen, Trinken und Bummeln folgen auf den Plätzen.

Typisch Cottbus ist, dass die Besucher häufig, aber nur kurz in der Altstadt unterwegs sind. „Der überwiegende Teil ist mindestens einmal in der Woche in der Innenstadt, viele sogar täglich“, erklärt Nadja Riedel.

Ein großer Vorteil von Cottbus seien die kurzen Wege. So habe sich etwa gezeigt, dass die meisten Befragten sowohl beide Einkaufszentren – also Blechen-Carré und Spree-Galerie – als auch die Geschäfte in Sprem und am Altmarkt besuchen.

Der am häufigsten geäußerte Wunsch der Passanten: „Einheitliche Öffnungszeiten“, sagt Nadja Riedel. 10 bis 19 Uhr wäre ein gutes Maß. Direkt darauf angesprochen, erklärten sich aber nur 15 Prozent der Händler sofort dazu bereit. Für 45 Prozent käme es auf die Bedingungen an.

Zum Thema:

HintergrundDer Branchenmix in der Altstadt hat sich zwischen 2003 und 2011 kaum verändert. Den Löwenanteil von derzeit 37 Prozent nimmt laut BTU-Untersuchung der Bereich Bekleidung, Schuhe, Sport ein. Mit 16 Prozent folgen Nahrungs- und Genussmittel inklusive Gastronomie.