Das Stimmungsbarometer in der Bad Muskauer Feuerwehr zeigt tief nach unten. Die Kameraden verstehen die Welt nicht mehr. Soll es wirklich einer von ihnen gewesen sein? Diese Frage beschäftigte sie gestern, als die letzte Technik vom Einsatz im Nachbarort Krauschwitz wieder in Ordnung gebracht wurde, auf Schritt und Tritt.

Kameraden hoffen auf Unschuld
Kreisbrandmeister Henry Kossack brachte gegenüber der RUNDSCHAU das auf den Punkt, was in den Köpfen der Männer und Frauen vorgeht, nachdem die Polizei einen von ihnen am Donnerstagabend festgenommen hat: „In den zurückliegenden Monaten hat es in Bad Muskau so einige Brände gegeben, die bisher nicht aufgeklärt sind - leerstehendes Wohnhaus, Waldbrände, Parkbrände. Hoffentlich schließt sich dieser Kreis nicht“ . Die Kameraden würden indessen kräftig die Daumen drücken, denn niemand von ihnen will den Verdächtigen vorverurteilen, betonen sie. Er sei seit etwa zwei Jahren in der Wehr nachdem er von Niesky nach Bad Muskau umgezogen ist.
Angeblich, so erzählt man es sich in Krauschwitz, wollte der 23-Jährige seinen gestrigen Geburtstag mit jener Familie feiern, die im Wohnhaus neben der abgebrannten Lagerhalle in Krausch witz wohnt. Doch dazu sei seine Ex-Freundin nicht erwünscht gewesen, wird gemunkelt. Wutschnaubend habe der junge Mann daraufhin die befreundete Familie verlassen. „Ob das der Auslöser dafür war, ein Feuer zu legen, muss die Polizei klären“ , erklärten Bekannte der Familie.
Die Polizei hat umgehend mit dem Ermittlungen begonnen, so Horbaschk. „Noch am Abend war ein Brandursachenermittler von uns vor Ort. Der hat heute auch die Vernehmung mit dem Verdächtigen, der heute noch dem Haftrichter vorgestellt werden soll, geführt“ , sagte er gestern. Ob das für diesen dann im Anschluss „gesiebte Luft“ bedeutet, wusste Horbaschk gestern nicht vorherzusagen.
Rico Vogel, der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Krauschwitz-West, hat am Donnerstagabend den Einsatz der Feuerwehren geleitet. „Es waren 49 Kameraden von den Wehren Krauschwitz West und Ost, Bad Muskau und Weißwasser mit insgesamt elf Fahrzeugen im Einsatz“ , berichtete er gestern auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Alle, die vor Ort waren, „Männer und Frauen“ , hätten ihr Bestes gegeben, um die 20 mal 40 Meter große Halle zu retten. Doch die Chance sei gering gewesen. „Es war ein schwieriges Unterfangen.“ Es sei kompliziert gewesen, an das Feuer heranzukommen. Denn die jetzige Lagerhalle sei einmal ein Saal einer Gaststätte gewesen. In das hohe Gebäude war damals eine Zwischendecke eingezogen worden, auf der nun Pappen lagerten, wie die Kameraden berichteten. „Und darüber befand sich die eigentliche Decke mit Spitzboden.“ Die Pappe und das viele Holz brannten lichterloh.

Angst um das Wohnhaus
„Von innen war kein Herankommen und von draußen war es auch schwierig“ , so der Weißwasseraner Wehrleiter Gerd Preußing. „Gegen 21.30, 22 Uhr herum, da hatten wir wirklich Angst, dass die Flammen auf das angebaute Wohngebäude übergreifen“ , so Einsatzleiter Rico Vogel. Mit ganzer Kraft und viel, viel Löschwasser sei es den Kameraden gelungen, das Wohnhaus vor den Flammen zu bewahren. „Ab ein Uhr haben die Krau schwitzer dann die Brandwache übernommen und trotz Kälte - wir hatten 3,5 Grad - bis zum Morgen ausgeharrt. Um 8.30 Uhr haben wir dann aber noch einmal die Weißwasseraner mit der Drehleiter zu uns gebeten, denn im Dach gab es noch einige Glutnester, die gelöscht werden mussten“ , berichtet Rico Vogel.

Zum Thema Straße gesperrt
 Wegen des Brandes war die Bautzener Straße in Krauschwitz ab Bendel-Kreuzung bis Bad Muskau von Donnerstagabend bis gestern um 11 Uhr voll gesperrt.