Christian Schömberg wusste am Montagabend offenbar nicht recht, wie ihm geschieht. Gute eineinhalb Stunden hatten die rund 30 Besucher eines Forums, zu dem die Bürgerinitiative Modellprojekt Weißwasser in den Vereinspavillon am Sorauer Platz eingeladen hatte, wichtige Themen mit Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) und Quartiermanager Frank Schwarzkopf diskutiert. Es ging um verbesserungsbedürftige Infrastruktur, um das Bundesgartenschau-Projekt in der Region und um eine mögliche Nutzung für das Bahnhofsgebäude.

Dan n kam die Sprache auf die Stadtentwicklung – und Schömberg provozierte auf arglose Weise den Unmut seiner Zuhörer. Der Mitarbeiter einer Planungsgruppe um Professor Ralf-Rüdiger Sommer von der Hochschule Lausitz nämlich, die sich im Auftrag der Stadt Weißwasser und des Energiekonzerns Vattenfall seit nun schon eineinhalb Jahren Gedanken über die Stadtentwicklung Weißwassers macht, konnte nur wenig Substantielles vortragen. Sehr allgemein hieß es, dass er und seine Kollegen an einer Strategie für die Stadt bis ins Jahr 2035 arbeiteten, jedoch Visionen wenig wert seien, wenn sich niemand finde, der sie finanzier t.

Mit Blick auf schon vor Jahren vorgelegte Weißwasser-Konzepte, die wirkungslos verpufft sind, äußerte der Weißwasseraner Udo Wolfrum seinen Verdruss über den „ganzen Entwicklungskram“, der nur Geld koste und bisher wenig gebracht habe.

Klaus-Jürgen Hahn hatte das Gefühl, dass erneut an den Bürgern vorbei geplant werde, ohne sie anzuhören. Auch Maria Ruttmar sagte, dass sie vom Forum „Konkreteres“ erwartet hatte.

Schömberg verwies auf den 7. Dezember. Dann werde im Beisein von Vattenfall und Weißwasseraner Stadträten im Infozentrum am Schweren Berg in Weißwasser mehr zu erfahren sein. Öffentlich sei diese Veranstaltung jedoch nicht. Und es gehe auch noch nicht darum, schon etwas vorzustellen und einen Finanzierungsrahmen zu geben.

Das wiederum brachte Quartiermanager Frank Schwarzkopf auf die Palme. Seit eineinhalb Jahren nun schon, hielt er dem Projektbegleiter vor, befasse sich die Hochschule Lausitz mit Weißwasser. Da könne man wohl etwas Vorzeigbares erwarten. Schließlich lägen bereits detaillierte Vorgänger-Konzepte vor, bei denen man sich bedienen könne. „Ich habe das Gefühl, uns läuft langsam die Zeit weg“, sagte Schwarzkopf. Vattenfall finanziere die Planungsarbeit der Wissenschaftler nur noch eineinhalb weitere Jahre. Weiter forderte Schwarzkopf mehr „Sensibilität“ im Umgang mit Weißwasseraner Bürgern und ihren Ideen.

Stadträtin Gudrun Hirschmann (Wir für Hier) vermisste Schömbergs Chef Professor Ralf-Rüdiger Sommer auf dem Forum. Maria Ruttmar sagte zu Schömberg: „Sie hat man ins Feuer geschickt. Der General trinkt im Unterstand Kaffee.“