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Unmoralisches Angebot für ein Südstaaten-Abenteuer

Atmosphäre pur: New Bordeaux ist den Machern sehr realistisch gelungen.
Atmosphäre pur: New Bordeaux ist den Machern sehr realistisch gelungen. FOTO: 2K Games
Cottbus. Computerspiele liegen im Trend. Die RUNDSCHAU testet in loser Folge spektakuläre Neuerscheinungen auf dem Spielemarkt. Los geht es heute mit Mafia III. Das Spiel beginnt mit einem Angebot , dass der Protagonist im neuen Spielehit von 2K Games, der schwarze Lincoln Clay, nicht ablehnen kann. Michael Siering

Mehr als sechs Jahre mussten Fans der Serie nach dem genialen zweiten Teil auf einen neuen Ableger warten. Und die Entwickler von Hangar 13 und 2K Czech haben ihre Hausaufgaben gemacht. Erste Ansätze eines Open-World-Szenarios wurden deutlich verbessert, und auch atmosphärisch und natürlich grafisch hat sich eine Menge getan.

Zu Beginn übernehmen wir auch nicht den abgebrühten Mafiosi-Emporkömmling, sondern schlüpfen in die Rolle des Vietnam-Heimkehrers Lincoln Clay in den USA der späten 60er-Jahre. In den ersten zwei bis drei Stunden nimmt sich das Spiel viel Zeit, den Spieler mit der Steuerung und den vielen Protagonisten vertraut zu machen. Schnell lernen wir den Marcano-Clan kennen und beteiligen uns an einem Raubüberfall. Doch wie so oft läuft hier einiges schief. Der Clanchef hintergeht unsere Familie, und auch Lincoln überlebt nur knapp.

Erst jetzt kommt Mafia III so richtig in Fahrt. Die fiktive Stadt New Bordeaux öffnet sich nun in ihrer ganzen Vielfalt und Schönheit. Dem New Orleans des Jahres 1968 nachempfunden, können wir die Stadt frei erkunden. Dabei wechseln sich Reichen- und Armenviertel ab, es gibt riesige Industriekomplexe, selbst ein verlassener Freizeitpark fiel mir im Test auf. Und New Bordeaux lebt! Passanten und 60er-Jahre-typische Autos, inklusive der mons trösen Muscle-Cars, bevölkern die Straßen. An fast jeder Ecke kann man zeitlich angepasste politische Debatten der damaligen Zeit verfolgen, und auch der allgegenwärtige Rassenhass schlug mir mehrmals offen ins Gesicht. Da wurde ich im Test schon mal in einer Bar bepöbelt, Schwarze hätten hier keinen Zutritt. Sehr atmosphärisch.

Nachdem ich mich am tollen Südstaatenflair satt gesehen hatte, ging es wieder an die eigentliche Aufgabe. Rache am Marcano-Clan. Dazu erobert der Spieler einzelne Gebiete der Stadt, indem er Zielpersonen eliminiert, Drogenlabore zerstört oder Lieferungen stiehlt. Nach einer gewissen Anzahl von Aktionen kann man dann den "Gebietsboss" des Clans herausfordern. Ist auch dieser besiegt, gehört uns ein Teil der Stadt und wir haben Zugriff auf ein verbessertes Arsenal an Waffen und Ausrüstung. Das alles erinnert mich im Test ein wenig an aktuelle Teile der Assassins-Creed-Reihe.

Zudem erwischte ich mich immer wieder dabei, wie ich einfach nur so im Auto durch die Straßen fuhr und den Beach Boys im Radio lauschte. Denn an Musik wird so einiges geboten. Songs und Hits, die schon längst in Vergessenheit geraten waren, drängen sich nun wieder in mein Bewusstsein.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle den Vergleich mit GTA5 scheuen, aber ein Open-World-Setting bietet sich dafür geradezu an. Sicherlich fehlt mir die Masse an Aktionsmöglichkeiten wie beim Rockstar-Hit, und auch die Multiplayerkomponente fehlt bei Mafia III komplett, aber die Stimmung der Spätsechziger in Kombination mit einer deutlich besseren Grafik als bei GTA5 lassen mich diese vergessen.

Kritisch anzumerken sei zum Schluss aber dennoch, dass die Missionen leichter mit der gezogenen Waffe in der Hand als durch Schleichen und Taktieren zu meistern sind. Denn gerade bei letzterer Variante zeigen sich deutliche Mängel in der Gegner-KI. Pfeifen, als Möglichkeit Gegner aus der Deckung heraus anzulocken, lockt zum Beispiel immer nur einen Widersacher aus einer herumstehenden Gruppe an. Hier fehlt es dann an entsprechendem Realismus.

Am Ende bleiben etwa 30 bis 40 Stunden Spielzeit ausschließlich für Einzelspieler mit einer Masse an Haupt- und Nebenmissionen. Das Ganze garniert mit einer zeitgemäßen Grafik und einer tollen Atmosphäre und kleinen politischen Seitenhieben, die den Spieler schon nach kurzer Zeit in das Setting ziehen.

Mafia III erhielt aufgrund seiner expliziten Gewaltdarstellungen keine Jugendfreigabe von der USK und ist erst für Spieler ab 18 Jahren freigegeben. Die freuen sich dann aber, in der toll synchronisierten deutschen Fassung, über unzensierten Spielspass.

Plattform: XBO, PS4, PC Preis: ab 59,00€

www.mafiagame.com/deTrailer downloadbar über:

www.2kpresshub.com

Zum Thema:
Spieletester: Michael SieringAlter: 42Tätigkeit: Seit vielen Jahren Mitarbeiter der LR im Bereich Anzeigenverkauf Senftenberg und leidenschaftlicher Gamer der ersten Stunde.Erste Erfahrungen im Bereich Gaming: Commodore 64, Atari ST - danach fast alle aktuellen KonsolengenerationenLieblingsspiele/Serien: Assassins Creed, The Legend of Zelda: A Link to the Past, MaddenKontakt/Feedback: michael.siering@lr-online.deWie wird getestet?Testsysteme: Xbox One, Playstation4, PC, Wii U, Nintendo New 3DS. Ab sofort versuchen wir euch im Bereich Gaming immer auf dem neuesten Stand zu halten. Die Redaktion hat sich für ein Bewertungssystem in Sternform entschieden. Eine bestmögliche Bewertung schlägt demnach mit vollen fünf Sternen zu Buche. Wir freuen uns nach Veröffentlichung der Testergebnisse auf euer Feedback und eure Meinungen. Mehr Fotos und Videos auf: lr-online.de/games