Peter Horn hebt die Arme. „Ich lebte damals in Drehnow und brauchte dringend eine Wohnung, in die ich es auch mit Rollstuhl schaffe“, sagt der 71-Jährige. In seiner schwierigen Lage hatte er einen Mietvertrag für ein betreutes Wohnen unterschrieben, ohne sich die Räume genau zeigen und sich alle Fragen zum Zimmer und zum Vertrag beantworten zu lassen. Heute fühlt er sich abgezockt und ist der Diakonie Teile der Miete schuldig, weil das Grundsicherungsamt Spree-Neiße nur Miet- und nicht Servicekosten übernimmt.

Doch der Mietvertrag mit der Diakonie für die 31,90 Quadratmeter enthält eine ganze Reihe Serviceleistungen: die Notrufbereitschaft, Vermittlungen von pflegerischen Hilfen und Beratungen, die Teilnahme an Gemeinschaftsveranstaltungen zum Beispiel. „Das alles brauche ich nicht. Ich muss aber trotzdem eine Grundpauschale über 61,36 Euro bezahlen“, sagt Peter Horn. Er hat eine Grundmiete von 253,29 Euro, hinzu kommen die Kosten für Wasser, Strom und Heizung und die Grundpauschale für die Betreuungsleistungen. Und dieser Service, das bestätigt die Diakonie, könne nur mit dem Mietvertrag gekündigt werden.

Wie Ines Lober, Leiterin des Fachbereiches Soziales im Spree-Neiße-Kreis, erklärt, können grundsätzlich auch Menschen in betreuten Wohnformen Wohngeld beantragen. Erhalten sie Grundsicherungsleistungen nach dem Sozialhilfegesetz, werden die Mietkosten aus dem Miet- und nicht aus dem Servicevertrag als Unterkunftskosten zugrunde gelegt. Leistungen der Grundsicherung können für den Regelbedarf wie Ernährung und Kleidung, für Mehrbedarf durch besondere Umstände wie spezielle Erkrankungen und auch für Kosten der Unterkunft – Kaltmiete, Betriebskosten und Heizkosten in angemessener Höhe – gewährt werden. „Auch Betreuungsleistungen, die erforderlich sind, um eine Heimaufnahme zu vermeiden, können die Grundsicherungsleistung erhöhen“, so Ines Lober. Aber die will Peter Horn ja gar nicht haben: „Ich helfe mir lieber selbst und schaffe es irgendwie mit der Wäsche zum nächsten preiswerten Waschsalon – ehe ich die 25 Euro für eine Waschmaschinenladung im Albert-Schweitzer-Dorf berappe.“

Er kocht in der Diele, weil er die im Mietvertrag genannte Küche gar nicht hat. Und er klagt über die Wasserschäden in seinem Zimmer. „Von dem Wasser weiß ich nichts“, sagt Dieter Baum stümmler, Geschäftsführer der Diakonie Niederlausitz. Er habe Peter Horn wegen der Mietrückstände inzwischen gekündigt. „Wer die Notrufbereitschaft nicht benötigt, sollte auch nicht in ein betreutes Wohnen ziehen“, sagt Baumstümmler.

Betreutes Wohnen ist kein gesetzlich geschützter Begriff, warnt Nadine Janke vom Pflegestützpunkt Spree-Neiße. Es gibt keine verbindlichen Richtlinien für bauliche Voraussetzungen, Angebote der Betreuung oder die Gestaltung der Preise und Verträge. Deshalb sollte man vorher alles genau prüfen und sich informieren lassen.

Peter Horn ist wieder auf Wohnungssuche. Da sie behindertengerecht sein muss, rät Ines Lober Horn, auch den Kontakt zum Behindertenbeauftragten des Landkreises zu suchen.