Nach dem Willen des Bundesjustizministeriums werden nicht eheliche und eheliche Kinder künftig die gleichen Erbrechte haben. Grundsätzlich sind sie bereits gleichgestellt - eine Sonderregelung wirkt aber fort. Sie besagt, dass vor dem 1. Juli 1949 geborene, nicht eheliche Kinder mit ihren Vätern als nicht verwandt gelten und daher kein gesetzliches Erbrecht haben. Stichtag 1. Juli 1949 fälltNach Angaben des Deutschen Forums für Erbrecht in München sind nicht eheliche Kinder, die am oder nach dem 1. Juli 1949 geboren sind, pflichtteilsberechtigt und dabei ehelichen Kindern gleichgestellt. Nicht eheliche Kinder, die vor diesem Tag geboren wurden, gehen bislang leer aus, wenn sie nicht in einem Testament oder Erbvertrag berücksichtigt werden, erläutert Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Eine Ausnahme gelte allerdings schon jetzt für Kinder, deren Vater am 2. Oktober 1990 - einen Tag vor der Wiedervereinigung - auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gewohnt hat, erklärt Paul Grötsch, Geschäftsführer des Forums Erbrecht. In diesen Fällen seien Kinder bereits dem ehelichen Nachwuchs gleichgestellt.Stichtag 28. Mai 2009Nach dem Gesetzentwurf des Justizministeriums soll die Ausdehnung des Pflichtteilsanspruchs künftig für eheliche wie uneheliche Kinder gelten, deren Vater nach dem 28. Mai 2009 verstorben ist. Ist der Vater bereits vor diesem Datum gestorben, soll es beim alten Recht bleiben, sagt Grötsch. Das sei "aus Vertrauensschutz" für die anderen Erben so geregelt worden. Nur wenn der Staat Erbe wurde, weil keine anderen Erben vorhanden waren, soll das Kind vom Staat verlangen können, dass das Erbe ausgezahlt wird.Auch wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, erben allerdings nicht alle Kinder direkt. Nach dem Gesetzentwurf soll das Kind nur Nacherbe der Ehefrau werden. Das bedeutet, dass das nicht eheliche Kind zumindest teilweise erst nach dem Tod der Ehefrau des Vaters erbt, erklärt Grötsch. Es soll also keine Erbengemeinschaft mit Ehefrauen oder gleichgeschlechtlich eingetragenen Lebenspartnern entstehen, fügt Bittler hinzu. "Nicht eheliche Kinder bleiben insoweit zunächst außen vor."Bittler weist darauf hin, dass auch die ehelichen Kinder des Vaters möglicherweise Nachteile durch die geplante Regelung haben können. "Es wird Konstellationen geben, in denen sich die ehelichen Kinder des Erblassers, nachdem ihre Mutter auch verstorben ist, in einer Erbengemeinschaft wiederfinden mit ihnen unbekannten, weiteren Abkömmlingen ihres Vaters."Frage der VaterschaftProblematisch sei zudem der Fall, in dem der Vater das nicht eheliche Kind nicht anerkannt hat und die Vaterschaft nicht gerichtlich festgestellt wurde, so Grötsch. Dann müsse das Kind seine Abstammung beweisen, falls sie strittig ist, notfalls mit einem DNA-Test.