Im Sommer des nun fast komplett zurückliegenden Jahres war Carsten Kühn in der Form seines Lebens. "Sie war besser als in meinen besten Zeiten", schwärmt er in seinem Klettwitzer Holzhaus. Wer sich im Fitnessbereich auskennt: Zum Beispiel hat er beim vorgebeugten Langhantelrudern mit 280 Kilogramm fünf bis sechs Wiederholungen geschafft.

Das ganze Training diente neben der Vorbereitung auf regionale Showauftritte auch einem neuen 24-Stunden-Guinness-Rekord und einer weiteren Bewerbung für die "Wetten, dass…?"-Sendung im ZDF. Dort war ein besonderer, ein ungleicher Vergleichswettkampf vorgesehen. Doch der 140-Kilogramm-Mann kam nicht einmal dazu, sich zu bewerben.

Es ist Sonnabend, der 4. August. Bei einer plötzlichen Belastung im Alltag, im kalten Muskelzustand, reißt der linke Bizeps. "Das hört sich an, als wenn man einen zusammengerollten Pullover zerreißt oder ein Knochen zerbricht. Ein ekliges Geräusch", erinnert sich der 40-Jährige. "Ich habe sofort gewusst, dass der Muskel abgerissen ist", berichtet er. Am nächsten Morgen wurde er operiert. "Das ist bestens gelaufen", lobt er den Chirurgen Frank Hoffmann vom Elbe-Elster-Klinikum. Der Spezialist habe ihn bereits an einem Knie operiert. "Das funktioniert perfekt", versichert der Klettwitzer.

Drei bis vier Wochen war der Oberarm geschient. Dann folgten Bewegungsübungen und nach kurzer Zeit bereits erste leichte Belastungen. Die Heilung sei so gut fortgeschritten, dass der selbstständige Fitness- und Personaltrainer schon wieder ganz ordentlich Gewichte stemmen kann. Das Schlimmste bei derartigen Verletzungen sei, dass man das Ereignis nicht aus dem Kopf bekomme und bei jeder Belastung daran denken müsse. Doch Carsten Kühn fühlt sich mental stark genug.

Die Verletzung habe ihn nicht nur gesundheitlich zurückgeworfen. Allein im August musste er fünf Auftritte absagen. Weitere folgten. Anfragen musste er vorerst ablehnen. Dies sei für die Familie auch ein finanzieller Verlust. Seine Frau Nicole arbeitet als Erzieherin. Das Glück perfekt machen zwei Kinder - ein Junge (ein Jahr und sieben Monate), ein Mädchen (sieben Monate).

Nicht gleich, aber im Laufe des Jahres möchte Kühn showmäßig wieder angreifen. Im Sommer will er auf der Rennstrecke in Oschersleben einen Lastwagen samt Holzhaus auf dem Tieflader ziehen. Partner sei die Cottbuser Rallye- und Truck-Trial-Familie Niedergesäß. Viele Anfragen, was er über das Lkw-Ziehen und Bratpfannenrollen hinaus noch anbieten kann, erreichen den Klettwitzer über Facebook.

Weitere Fernsehauftritte als optimale Werbeplattform bleiben nach wie vor das Ziel. Wenn seine bisher größte und spektakulärste Wettidee angenommen wird, könnte er 2014 wieder bei "Wetten, dass…?" zu sehen sein. Vorher werde nichts verraten.

Manch einer fragt sich, warum er das alles auf sich nimmt? "Es macht einfach Spaß, sich den unmöglich erscheinenden Dingen und Wetten zu stellen und die Menschen damit zu begeistern. Nur mit der Unterstützung des Publikums kann ich die eigenen Grenzen ausloten und Rekorde brechen", sagt Carsten Kühn.

Durch die Verletzung ruhen auch die Kontakte zu dem Riesenpublikum in Asien. In China ist er bereits vor Hunderten Millionen TV-Zusehern aufgetreten. "Am Ausland bleibe ich dran", verspricht der Mann mit dem geheilten linken Bizeps.

Das Training wird jetzt immer intensiver und die strenge Ernährung entsprechend angepasst. Trotzdem hat sich Carsten Kühn die Köstlichkeiten des Weihnachtsfestes munden lassen. Zu Hause gab es Kaninchen, bei seinen Eltern Gans und bei den Schwiegereltern in Kamenz Ente. Selbst Süßes sei nicht tabu. "Es ist gut für die Psyche, wenn man mal das isst, worauf man Appetit hat", weiß der Mann, der sich auch als Ernährungsberater bestens auskennt. "Wer sich das ganze Jahr über streng ernährt, darf sich hin und wieder was gönnen", sagt er. Er halte es so ein- bis zweimal die Woche. Allerdings machen viele Kohlenhydrate und viele Fette zusammen dick, warnt er.

Der wichtigste Wunsch für 2013 ist bei dem Klettwitzer natürlich die Gesundheit, gepaart mit Erfolg - für sich, seine Familie und allen, mit denen er privat und beruflich zu tun hat. Im Besonderen denkt er an die ihn unterstützenden heimischen Firmen Zemmler aus Großräschen, Puralis aus Schwarzheide und Meranus aus Lauchhammer. Carsten Kühn wünscht sich allgemein in der Gesellschaft auch mehr Zufriedenheit. Das Überangebot mache die Menschen oftmals nur krank.