Von Carolin Eckenfels

Die Biene befindet sich auf einem Höhenflug. Als sympathische Botschafterin für mehr Artenvielfalt hat sie gerade erst bayerischen Umweltschützern zum Erfolg verholfen. Gartenbesitzer greifen zu ihrem Wohle immer häufiger zu bienenfreundlichen Blühpflanzen. Und bundesweit wächst die Zahl der Imker, gerade in den Städten. Die Popularität der fleißigen Pollensammlerin ist nicht völlig neu, bekommt aber durch den Nachhaltigkeitstrend Aufwind – und durch aufrüttelnde Nachrichten über das Insektensterben.

„Es gibt eine lange Kulturgeschichte im Zusammenleben von Menschen und Bienen, weil Imkerei schon eine sehr alte Praxis ist“, sagt der Soziologe Stephan Lorenz von der Uni Jena, der zu dem Thema forscht. Da die staatenbildenden Bienen wie Menschen soziale Wesen seien, eigneten sie sich zudem gut für verschiedene – und meist positiv besetzte – Deutungen. „Die Menschen finden sich sozusagen in dem sozialen Leben der Bienen wieder.“

So schwirrt die Biene derzeit auf Titelseiten durch die Presse. In den sozialen Medien führen diverse Hashtags zu ihr, Initiativen fördern das Imkern in der Stadt, der Roman „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde avancierte zum Bestseller, und in mancher Wohnung werden Bienen zur Deko – passend zum Trend, sich die Natur in die eigenen vier Wände zu holen.

Auch die Gärtner bemerken eine wachsende Nachfrage nach bienenfreundlichen Angeboten und Informationen. „Die Menschen sind bei dem Thema sehr aufmerksam“, erzählt Olaf Beier, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Einzelhandelsgärtner.

Den Bienen-Boom merken insbesondere die Imker: Noch vor zehn Jahren hatte der Deutsche Imkerbund (DIB) nach einem Rückgang nur noch etwa 80 000 Mitglieder. Seitdem steigt die Zahl der Imker an. 2018 gab es einen Zuwachs von 5,4 Prozent auf jetzt mehr als 120 000 Mitglieder. Der Trend zur Bienenhaltung in den Städten lockt gerade junge Leute, die der Imkerei ein hippes Image verleihen. Diese Entwicklung tut auch den Honigbienenvölkern gut: Der DIB schätzt ihre Zahl bundesweit auf mittlerweile rund 900 000 – vor zehn Jahren waren es noch 694 000.

Was Experten schon länger wissen, rückt durch zahlreiche Medienberichte mehr und mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Die Zahl der Insekten schrumpft dramatisch. Bei den Bienen sind weniger die als Nutztiere gehaltenen Honigbienen betroffen als vielmehr ihre wilden Verwandten: Rund die Hälfte der Wildbienen-Arten gilt als gefährdet. Das ist nicht nur fatal für die Artenvielfalt, sondern eine Bedrohung für uns Menschen: Für den Anbau zahlreicher Obst- oder Gemüsearten sind wir auf die Bestäubungsleistung von Insekten angewiesen. Was passiert, wenn die Biene fehlt, zeigt sich bereits in manchen Regionen Chinas: Dort muss der Mensch Obstbäume von Hand bestäuben.

„Die Biene ist ein Sympathieträger und ein Door Opener (Türöffner), um auf den Artenschutz aufmerksam zu machen“, sagt die Biologin und Bienenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Melanie von Orlow. „Wir können über jeden Menschen froh sein, der sich für das Thema interessiert.“ Viele Experten hätten bereits seit Jahren vor dem Artenschwund gewarnt – seien aber lange Zeit nicht gehört worden.