Von Hajo Zenker

Hintergrund für die Entscheidung, die alten Papierführerscheine nach und nach umzutauschen ist, dass laut einer EU-Richtlinie alte Führerscheine bis 2033 durch EU-einheitliche, fälschungssichere Plastikkarten zu ersetzen sind. Die Bundesländer befürchten aber, dass es im letzten Moment einen Ansturm auf die Fahrerlaubnisbehörden geben könnte, der nicht zu bewältigen wäre.

Deshalb sollen die derzeit noch etwa 15 Millionen Papier-Dokumente in mehreren Stufen durch die Plastikkarten ersetzt werden. Der Umtausch wird dabei zunächst abhängig vom Geburtsjahr des Führerscheininhabers durchgeführt. Die Begründung des Bundesrates dafür: Das Ausstellungsdatum sei auf den alten Papierdokumenten häufig nicht mehr erkennbar.

Den Anfang beim Tausch von Papierführerscheinen, landläufig auch gerne mal als „Lappen“ bezeichnet, machen Autofahrer der Jahrgänge 1953 bis 1958. Die müssen ihren „Lappen“ bis zum 19. Januar 2022 ersetzen lassen. Das soll laut ADAC etwa 25 Euro kosten, es soll aber mit keiner neuen Prüfung verbunden sein. Es folgen die Jahrgänge 1959 bis 1964, die den Umtausch bis Anfang 2023 vollzogen haben müssen.

Ausgerechnet die Allerältesten aber, nämlich die vor 1953 Geborenen, können die von der EU festgelegte Frist bis 2033 voll auskosten. „Damit soll ihnen erspart werden, ihren Führerschein vorzeitig umtauschen zu müssen, obwohl altersbedingt nicht sicher ist, ob sie nach dem Stichtag des 19. Januar 2033 von ihrer Fahrerlaubnis Gebrauch machen möchten und dafür einen weiter gültigen Führerschein benötigen“, schreibt der Verkehrsausschuss des Bundesrates zur Begründung.

Während der „Lappen“ verschwindet, steht für 28 Millionen von 1999 bis Anfang 2013 ausgegebene Scheckkartenführerscheine, die noch nicht der EU-Richtlinie entsprechen,ein Umtausch an. Wann umgetauscht werden muss, ist hier aber nicht abhängig vom Geburtsjahr des Autofahrers, sondern entscheidend ist das Ausstellungsdatum des Dokumentes.

Hier sind zuerst die Führerscheine aus den Jahren 1999 bis 2001 dran, die bis Anfang 2026 in die EU-einheitliche Form überführt werden müssen.

Für alle neue ausgegebenen Dokumente gilt, dass sie generell nur noch 15 Jahre gültig sind, und dann erneut – aber ohne Prüfung – ersetzt werden müssen. Auch das spielt beim Stufenplan eine Rolle.

Laut Bundesrat ist das Ziel der Staffelung, bis zum Jahr 2028 möglichst viele Alt-Führerscheine aus dem Verkehr zu ziehen – denn ab diesem Zeitpunkt verlieren auch die seit 2013 in Deutschland neu ausgestellten, EU-kompatiblen Führerscheine ihre Gültigkeit und müssen erneuert werden.

Die vorgezogenen Umtauschfristen sollen laut Bundesrat „die Behörden in die Lage versetzen, die ungeheure Masse an Dokumenten zu bewältigen und lange Wartezeiten für die Bürgerinnen und Bürger zu vermeiden“.

Schelte für die Bundesregierung gab es von den Ländern trotzdem noch. Man bedauere, dass „die Öffentlichkeit bislang nicht ausreichend über die zwingenden EU-Vorgaben informiert wurde“. Das solle die Bundesregierung  umgehend nachholen. Übrigens: Wer auf die Fristen pfeift und dennoch weiter mit seinem alten Pkw- oder Motorrad-Führerschein fährt, riskiert ein Verwarnungsgeld – laut ADAC von gerade zehn Euro.