Eine große Landkarte mit einigen blau eingefärbten Flächen. So sieht er aus der "Teilregionalplan Windenergienutzung", den die Planungsstelle für die Region Spreewald-Lausitz erarbeitet hat. Die blauen Flächen weisen die Gebiete aus, in denen Windräder gebaut werden dürfen. Was außerhalb liegt, ist ausgeschlossen - aus unterschiedlichsten Gründen: Abstand zur Wohnbebauung, Naturschutz, Vogelflugrouten oder andere Planungsvorhaben. "Wir haben keine Negativplanung gemacht sondern zwischen den Interessen der Windpark-Investoren und weiteren öffentlichen Belangen abgewogen", sagt Carsten Maluszczak, Leiter der Planungsstelle in Cottbus. Doch an die Vorgaben der Regionalplaner hält sich derzeit kaum jemand. "Wir kennen fast 230 beantragte Anlagen außerhalb der ausgewiesenen Flächen", sagt Maluszczak. "Das ist schon zweifelhaft."

Wildwuchs ärgert

Ein Grund für den Wildwuchs ist, dass der letzte Teilregionalplan 2007 vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gekippt wurde. Einen Aufstellungsbeschluss zur Erstellung eines neuen Regionalplanes hatte die Regionalversammlung zwar Ende 2011 gefasst, doch bis zum Inkrafttreten dauert es. Nach dem Startschuss wurde mit Hochdruck an neuen Kriterien und einer neuen Datenbank gearbeitet. Im September 2012 Jahres begann die Anhörungsphase, in der sich Kommunen, Bürger, Verbände und Behörden zum Entwurf des Teilregionalplanes äußern konnten. Bis Ende 2012 gingen rund 1000 Stellungnahmen von über 600 Trägern ein. "Wir sind dabei, alle Stellungnahmen zu digitalisieren", sagt Maluszczak. Bis Ende März soll die Datenbank vorliegen. Die Planer rechnen mit 6000 bis 8000 Einzelhinweisen, die es abzuarbeiten gilt.

Mit zwei Stellen in der Planungsstelle ist das eine Herkulesaufgabe. Regionalplaner Mathias Gulbe ist hauptsächlich mit dem Thema Wind betraut, bekommt Unterstützung von einem weiteren Kollegen und seinem Chef. Allerdings gibt es weitere Aufgaben. "Alles mit Terminbindung geht vor", sagt Maluszczak. Bei vielen Vorhaben müssen die Regionalplaner Stellungnahmen abgeben - auch zu den Verfahren, die derzeit zum Bau von Windparks in den Kommunen laufen und den Vorstellungen der Regionalplaner zuwiderlaufen.

Maluszczak würde diesen Wildwuchs gern verhindern. Bei der Gemeinsamen Landesplanung will die Planungsstelle deshalb Untersagungen für alle lokalen Verfahren beantragen, die zeitgleich oder nach Aufstellung des Teilregionalplanes gestartet wurden. "So streben wir es an", bestätigt Maluszczak. "Wir wollen so wenig wie möglich Anlagen außerhalb der Eignungsflächen haben." Mit den Untersagungen können die lokalen Verfahren zwar nicht gestoppt werden - aber aufgeschoben. "Das gibt uns als Planungsgemeinschaft die Zeit, durch alle Stellungnahmen durchzukommen."

Denn in vielen Fällen muss abgewogen werden. Wo es widerstrebende Hinweise zu einer Fläche gibt, werden die Bedenkenträger angehört und ihre Hinweise gegenübergestellt. "Unsere Planungsregion reicht von Schönefeld bis Mühlberg und Raden", gibt Maluszczak zu bedenken. Allein die Fahrten zu den Orten nehmen viel Zeit in Anspruch.

Deshalb hofft Maluszczak auf personelle Verstärkung. "Wir würden wünschen, dass man uns unterstützt", formuliert der Leiter der Planungsstelle. Die Region weiß er dabei hinter sich. Entscheiden müssen aber die Ministerien in Potsdam. "Die Gespräche mit den Ressorts laufen", sagt Maluszczak. Für 2014 hofft er auf zusätzliches Geld.

Auch die anderen vier Planungsregionen in Brandenburg sind personell dünn besetzt. Mit Ausnahme von Havelland-Fläming und Spreewald-Lausitz haben diese aber alle geltende Teilregionalpläne für die Windkraft. "Die sind meist zehn Jahre alt und die Gebiete voll", sagt Maluszczak. Deshalb drängen Investoren momentan vor allem in die Lausitz. In den ausgewiesenen Flächen des Teilregionalplanes wäre Platz für einige Hundert weitere Windanlagen - unabhängig davon, was in den Kommunen zusätzlich geplant wird. "Andere Länder wie Sachsen weisen weniger Flächen aus", so Maluszczak.

Keine konfliktfreien Flächen

Dass die Debatten in den Orten, in denen Windanlagen geplant werden, nicht immer einfach sind, weiß auch Maluszczak. "Konfliktfreie Flächen gibt es nicht mehr", weiß er. Die Vorstellung, die er aus Potsdam öfter hört - man könne doch auf den Kippenflächen Windanlagen bauen - weist Maluszczak zurück. "Für die Flächen gibt es Sanierungsplanungen, die können wir nicht einfach ignorieren", mahnt er. Auch der Naturschutz melde Bedenken an. Das Stimmungsbild zur Windkraft in der Region sieht er hingegen ausgeglichen. "Ich würde das 50:50 einschätzen. Wir waren schon mal bei 70:30 gegen die Windkraft", sagt er.

Alles wartet gespannt auf den fertigen Teilregionalplan. "Ich gehe davon aus, dass wir in einem Jahr so weit sind, dass wir wissen, ob wir einen zweiten Entwurf ins Verfahren geben oder mit dem jetzigen Entwurf in die Endberatung gehen können", so der Leiter der Planungsstelle.

Zum Thema:
Wenn die Stellungnahmen zum Teilregionalplan abgearbeitet werden, erfahren die Bedenkenträger das nicht in jedem Fall. "Die Kommunen bekommen in der Regel eine Information. Bürger haben dieses Rechtsanspruch nicht", erläutert Carsten Maluszczak, der Leiter der Planungsstelle in Cottbus. "Alle Sitzungen sind öffentlich", setzt er hinzu. Ungeprüft bleiben die Entscheidungen der Planungsgemeinschaft ohnehin nicht. "Alle Stellungnahmen und unsere Entscheidungen gehen an die Aufsichtsbehörde", erläutert Maluszczak. Das werde dann durch das Land geprüft. "Wir müssen alles nachweisen", so Maluszczak.