Der Branitzer Reinhard Wierik bezeichnet sich selbst als Parkfreund. Genau deshalb macht er sich um den Weltkulturerbe-Aspiranten nun ernsthaft Sorgen. Denn die Branitzer Parkgewässer werden von der Spree gespeist und die kämpft am oberen Flusslauf zusehends mit einer Verockerung. Die braune Farbe wird durch eine hohe Konzentration von Eisenhydroxid und Sulfat verursacht. "Ich habe nun leider feststellen müssen, dass das braune Wasser mit der Spree mittlerweile Cottbus und damit auch den Branitzer Park erreicht hat", sagt Reinhard Wierik und liefert zu dem Satz die passenden Fotos.

Für Ingolf Arnold gibt es keinen Grund für Alarm. Er ist der Leiter der Geotechnik beim Energiekonzern Vattenfall. "Die Talsperre ist mit ihrem Gesamtvolumen in der Lage, den Schlamm und damit das Eisenhydroxit zurückzuhalten", erklärt er. Bislang habe die Eisenfracht Spremberg nicht passiert. Die Talsperre wirke wie ein Schutzwall. "Das wird sich in den nächsten Jahren nicht ändern", beteuert Arnold. Zumal der Bergbausanierer LMBV Sicherungsarbeiten zum Reinigen von Grubenwasser angekündigt hat.

Nichtsdestotrotz sind derzeit in Branitzer Gewässern - auch außerhalb des Parks - Eintrübungen zu erkennen. "Es gibt sogar Eisenschlieren", bestätigt Ingolf Arnold. "Aber das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der mit der hiesigen Bodenbeschaffenheit zu tun hat. Das Eisen im Boden wird durch den erhöhten Grundwasserstand ausgespült." Dieses Phänomen werde nach dem Frühjahr zurückgehen, versichert er. Tatsächlich ist das Grundwasser in Cottbus von Dezember bis Februar um 25 Zentimeter gestiegen. Das belegen die Daten des Messpunktes auf dem Hof des Apothekenmuseums. Die Stadt ist bezüglich der braunen Spree mit dem Land in ständigem Kontakt, betont Umweltamtschef Thomas Bergner. "Im Moment haben wir kein Problem", sagt er. Trotzdem arbeite das Landesumweltamt an einer Studie, wie verhindert werden kann, dass das eisenhaltige Wasser an der Talsperre vorbeikommt. Mit den Ergebnissen rechnet Bergner frühestens Ende des Jahres. Parkleiter Claudius Wecke beobachtet die Situation und vertraut auf das Urteil der Fachleute. "Wir sind keine Hydrologen." Die Stiftung pflege ein gutes Verhältnis zur Vattenfall-Geotechnik. Denn aufgrund der Tagebaunähe wird der Park seit Jahrzehnten bewacht. Diverse Messpunkte spicken ihn, in Wasserfragen konsultieren die Parkleute immer wieder die Vattenfall-Experten und das Cottbuser Umweltamt. Es bleibt Vorsicht. "Wir werden unsere Augen nicht verschließen", betont Wecke.

Obwohl die Geotechniker in die Talsperre als Schlammabscheider vertrauen, hat Ingolf Arnold im Stiftungsrat jüngst einen Masterplan für den Ernstfall präsentiert.

"Dann würden wir den Spreezufluss zum Park umbauen." Dazu gehören Mäander - also Schleifen - und ein Teich. Das soll die Fließgeschwindigkeit verringern und dafür sorgen, dass sich das Eisen ablagert, bevor das Spreewasser den Park erreicht. "Ich gehe davon aus, dass das nicht notwendig wird", beteuert Arnold.

Reinhard Wierik sieht das freilich ganz anders. "Es muss endlich etwas getan werden", fordert er.