Auf diese Möglichkeit lasse die Tatsache schließen, dass das Flugzeug vor dem Abheben auf der Startbahn ungewöhnlich lange gerollt sei, berichtete gestern die Zeitung "El País".
Ein unter Verschluss gehaltenes Video von Flughafenkameras zeigt dem Zeitungsbericht zufolge, dass das Flugzeug eine viel zu lange Strecke auf der Rollbahn zurücklegte. Laut "El País" fuhr es 500 Meter über den für den Start empfohlenen Punkt hinaus.
Dem Bericht zufolge könnte es bei einem der Triebwerke zur Schubumkehr gekommen sein - eine Einstellung, die bei Landungen zum Bremsen vorgenommen wird. Dadurch erkläre sich, dass sich das Flugzeug unmittelbar nach dem Abheben auf die rechte Seite geneigt habe, berichtete "El País" unter Berufung auf einen Luftfahrtingenieur. Der Zeitung zufolge entdeckten Ermittler am Unglücksort, dass das Triebwerk auf Schubumkehr gestellt gewesen sei. Unklar war jedoch, ob dies bereits beim Start der Fall war oder erst beim Absturz erfolgte.
Laut "El País" zeigt das Video zudem, dass eine der Tragflächen zuerst auf dem Boden aufkam und das Flugzeug sechs Mal auf den Boden aufprallte, bevor es explodierte.
Die spanische Behörde für Zivilluftfahrt widersprach Zweifeln an den Sicherheitsprüfungen der Spanair-Maschinen. Die Fluggesellschaft habe seit Anfang 2008 mehr als 100 Inspektionen verschiedener Typen veranlasst, dabei seien nicht die geringsten Fehler entdeckt worden, sagte Manuel Bautista, Chef der Behörde.
Die Identifizierung der Opfer indes war auch fünf Tage nach dem Unglück nicht abgeschlossen: Gestern stand nach offiziellen Angaben die Identität von 86 der 154 Toten fest.
Wie das bayerische Landeskriminalamt (LKA) mitteilte, handelt es sich bei vier deutschen Absturzopfern um einen 50 Jahre alten Mann und eine 38 Jahre alte Frau aus Pullach bei München mit zwei Söhnen im Alter von acht und fünf Jahren. Den spanischen Ermittlern sei die Identifizierung mit Hilfe vom Spuren aus dem Haus der Familie gelungen, die das LKA ausgewertet hatte. Zu einem möglichen fünften deutschen Opfer, konnte das LKA keine Angaben machen.
(AFP/ig/mb)

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