Sechs Tage nach dem Unglück fanden die Ermittler damit einen ersten Hinweis auf eine mögliche Ursache der Katastrophe auf dem Madrider Flughafen.

Neue Fragen zum Spanair-Flug
Allerdings warf die Entdeckung eine Reihe neuer Fragen auf. Es war unter anderem völlig unklar, wie dieser Mechanismus aktiviert und ob er vom Piloten oder durch technisches Versagen ausgelöst wurde. Der Umkehrschub dient dazu, ein Flugzeug zu bremsen. Er kann normalerweise nur eingeschaltet werden, wenn eine Maschine sich am Boden befindet. „Eine Schubumkehr ist beim Start so ziemlich das Schlimmste, was passieren kann“, sagte ein namentlich nicht genannter Pilot der Zeitung „El Mundo“. „Ein Triebwerk treibt die Maschine nach vorn, das Triebwerk auf der anderen Seite zieht in die Gegenrichtung.“
Der deutsche Flugingenieur Jürgen Heermann hält diese Erklärung allerdings für wenig wahrscheinlich. „Um den Umkehrschub auszulösen, muss ein spezieller Hebel betätigt werden. Das ist in einer Startphase völlig ausgeschlossen“, sagte er. „Solange die Gashebel nach vorne gelegt sind, lässt sich der Hebel überhaupt nicht bewegen.“ Für nicht ausgeschlossen hält Heermann, dass der Hebel beim Aufprall in eine andere Stellung gebracht worden sein könnte.
Allerdings wiesen mehrere Experten darauf hin, dass eine Aktivierung des Umkehrschubs allenfalls ein Faktor, aber nicht die alleinige Ursache der Katastrophe gewesen sein könnte. Ein Flugzeug könne auch dann starten, wenn an einem Triebwerk die Schubumkehr aktiviert sei, sagten Piloten der Zeitung „El País“.
Alberto García Pérez, einer der führenden spanischen Luftfahrtexperten, betonte zudem: „Bei der Unglücksmaschine vom Typ MD-82 befinden sich die Triebwerke am Heck ziemlich nahe an der Längsachse des Flugzeugs. Bei einer Schubumkehr auf einer Seite dürfte die Abweichung vom Kurs deshalb eher gering ausfallen.“
Bei der Katastrophe ist die Frage offen, ob der Umkehrschub durch eine technische Panne oder vom Piloten ausgelöst wurde. „In dem Fall, dass der Pilot die Schubumkehr aktivierte, könnte dies darauf hindeuten, dass er in einem kritischen Moment den Versuch unternahm, die Maschine noch abzubremsen“, schreibt „El País“.

Verletzte nach Ryanair-Panne
Ein Flug von Bristol in Großbritannien ins spanische Gerona ist für die 168 Passagiere einer Boeing 737-800 der irischen Fluggesellschaft Ryanair zum Horrortrip geworden. Wegen eines plötzlichen Druckabfalls an Bord sank die Maschine am Montagabend fast im Sturzflug von 12 000 auf 2000 Meter und landete außerplanmäßig im französischen Limoges. 16 Fluggäste wurden verletzt. Nach Angaben des Billigflugunternehmens wurden sie mit Ohrenschmerzen ins Krankenhaus gebracht. Auch auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn landete ein Ryanair-Flugzeug unplanmäßig. Der Grund erwies sich allerdings als harmloser – eine Pilzsoße war schuld. (dpa/ig)