Viele weinten. "Gib den Opfern, die ihr Leben verloren haben, Frieden", hieß es in den Fürbitten. Auch die heftigen Vorwürfe gegen Kapitän Francesco Schettino wurden ein Jahr nach der Unglücksnacht wieder laut. Vor der Insel ragt noch immer der 290-Meter-Koloss aus dem Wasser. Die Bergung soll teurer werden als zunächst erwartet.

Die Öffentlichkeit war von der Messe in der Kirche Santi Lorenzo e Mamiliano ausgeschlossen. Die Feier wurde aber auf eine große Leinwand im Hafen übertragen. Bischof Guglielmo Borghetti dankte den Bewohnern von Giglio, die in der Unglücksnacht zum Hafen geeilt waren, um den mehr als 4000 Schiffbrüchigen zu helfen. In der Kirche hatten damals viele von ihnen Zuflucht gefunden.

Auf der Insel versammelten sich auch Überlebende der Katastrophe. "Es ist gut hier zu sein", sagte die Französin Anne Marie Royer. "Wir sind gekommen, damit der Kreis sich schließt." Eine Freundin, die ebenfalls an Bord war, könne seit der Katastrophe nicht mehr arbeiten, sagte die 49-Jährige. "Sie schafft es psychisch nicht." Ein weitere französische Passagierin sagte, die Reederei habe die Überlebenden aufgefordert, nicht zum Jahrestag nach Giglio zu kommen. Der Gedenktag solle den Angehörigen der 32 Menschen vorbehalten sein, die bei der Havarie ums Leben kamen. Unter den Toten waren auch zwölf Deutsche.

"Die Verantwortlichen werden streng bestraft werden", versprach Italiens Umweltminister, Corrado Clini, der nach Giglio gekommen war. Am Sonntag wurden auch Gedenktafeln enthüllt. Die Gedenkfeiern endeten am Abend, zu dem Zeitpunkt, als die "Costa" den Felsen rammte, mit einer Schweigeminute.