Der neun Schüler, drei Leh rerinnen und drei Männer, die der Todesschütze erschoss, wird in St. Borromäus mit Kerzen und Rosen gedacht. Die Namen der Opfer werden verlesen, Schüler der Albertville-Realschule bringen Kerze und Blume zum Altar. Da ist ein Licht für Nina M., die Lehrerin, die auf dem Flur ihrer Schule starb, als sie den Amok-Schützen aufhalten wollte. Da ist ein weiteres für die 17-jährige Nicole N., die während des Unterrichts ermordet wurde. Ganz fest hält ihre Mitschülerin auf dem Rückweg vom Altar das Kreuz an ihrer Halskette, so als ob sie dadurch Kraft für den schweren Gang schöpfe. Sie trägt wie weitere 150 Schüler ein T-Shirt mit dem Schullogo und dem Satz "Ich habe einen Traum". Mit dem Tod der Schüler seien auch ihre Träume zerstört worden, sagt Schulleiterin Astrid Hahn. Auch die vielen, die noch während des Amoklaufes und danach den Opfern und ihren Familien zur Seite standen, haben in dem Gottesdienst ihren Platz. Fürbitten werden unter anderem von einem Arzt, einem Polizisten, einer Seelsorgerin und einem Lehrer vorgetragen. Sie vertreten die, die durch ihre Hilfe das Leid unermüdlich zu mindern suchen. Eine der Bitten gilt dem Täter und seiner Familie. Auch die Eltern und die Schwester von Tim K. sollten Menschen um sich haben, die ihnen beistehen, heißt es. In Winnenden weht am Samstag Trauerflor an Bäumen und Markisen. Am Ortseingang steht ein vier Meter hohes Transparent: "Wir trauern." Eineinhalb Wochen nach der schrecklichen Tat wünschen sich viele Einwohner langsam ein Stück Normalität zurück. Oberbürgermeister Bernhard Fritz sagt: Die Trauerfeier solle der erste Schritt sein, damit "Winnenden wieder die Stadt ist, die wir vorher waren." Bundesweit hält derweil die Diskussion über die Konsequenzen des Amoklaufes an. Bundespräsident Horst Köhler plädierte für ein Einschreiten von Staat und Gesellschaft gegen gewaltverherrlichende Filme und Videospiele. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte ein Verbot. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), dagegen hält eine Verhinderung von Amokläufen durch die Politik für unmöglich.In Hoyerswerda (Landkreis Bautzen) sorgt unterdessen ein Trittbrettfahrer für Schlagzeilen. Wie die Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien am Sonntag mitteilte, hatte ein 16-Jähriger am vergangenen Donnerstag im Unterricht gesagt, er wolle sich eine Beretta 9 besorgen und "alle Lehrer schlachten". Auch einige Mitschüler habe er konkret in seine Drohung einbezogen. Noch am selben Tag verurteilte ihn das Amtsgericht Hoyerswerda zu einer Woche Dauerarrest. dpa/AFP/ddp/ck