Nach dem Tod dreier frühgeborener Babys durch einen gefährlichen Darmkeim in einem Bremer Krankenhaus läuft die Suche nach der Infektionsquelle auf Hochtouren. Spezialisten des Robert-Koch-Instituts (RKI) fahndeten nach Angaben eines Kliniksprechers vom Donnerstag „fieberhaft“ nach dem bislang unbekannten Verbreitungsweg. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ein.

Im Klinikum Bremen-Mitte waren in den vergangenen Monaten drei Frühchen auf der Neugeborenenstation an Infektionen mit einem gegen Antibiotika resistenten ESBL-Bakterium gestorben. Eines der Kinder starb im August, die beiden anderen im Oktober. Bei dem Erreger handelt es sich um einen typischen sogenannten Krankenhauskeim. Er befiel laut Klinikum insgesamt 15 Kinder, von denen aber nur einige erkrankten.

Nachdem die klinikeigene Suche nach der Erreger-Quelle ergebnislos verlaufen war, übernahmen am Mittwoch drei Spezialisten des bundeseigenen RKI vor Ort die Regie. Die Neugeborenenabteilung des Krankenhauses wurde zunächst geschlossen. Zudem entschieden sich die Verantwortlichen, die Öffentlichkeit zu informieren. „Die Experten des RKI sind vor Ort und versuchen fieberhaft, die Quelle für die Infektionen zu finden“, sagte Kliniksprecher Daniel Goerke am Donnerstag. Zunächst habe es noch keinen Hinweis gegeben, wie sich die Babys angesteckt haben. Nach Angaben der Experten könne es 24 bis 48 Stunden dauern, bis erste Ergebnisse vorliegen.

Die Staatsanwaltschaft richtet ihre Aufmerksamkeit nach eigenen Angaben auf die Möglichkeit einer Ansteckung durch Klinikmitarbeiter. „Wir gehen davon aus, dass die Übertragung durch das medizinische Personal erfolgt ist“, sagte Frank Passade, Sprecher der Bremer Anklagebehörde. Es werde wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in drei Fällen sowie des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung in einer noch unbekannten Zahl von Fällen gegen unbekannt ermittelt.

Bremens Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) kündigte eine Untersuchung der Abläufe im Zusammenhang mit den Infektionsfällen an. „Wir prüfen, ob es eine fehlerhafte Informationspolitik zwischen allen Beteiligten gegeben hat“, sagte eine Sprecherin der Senatorin. Es gehe darum, ab wann Krankenhaus, Klinikbetreiber, Gesundheitsamt und übergeordnete Fachbehörde von einem „schwerwiegenden Infektionsfall“ ausgehen mussten. Die Bewertung sei allerdings „verzwickt“, da einzelne Infektionen in Krankenhäusern häufiger vorkommen und nach dem Tod des ersten Kinds längere Zeit nichts passiert sei.

ESBL-Bakterien kommen im Darm jedes Menschen vor. Sie werden gefährlich, wenn sie mutieren und unempfindlich gegen Antibiotika werden. Für Erwachsene sind sie harmlos, Frühgeborene ohne funktionierendes Immunsystem sind jedoch bedroht. Im Oktober starb ein Baby in einer Passauer Klinik an dem Keim.