Feuerwehrleute bargen eine ältere Frau sowie ein Ehepaar tot aus den Trümmern. In der Nähe von Hautmont wurden weitere neun Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. "Man hat ein dumpfes Grollen gehört, wie ein Bombardement", berichtete ein Anwohner. Dann sei das Fenster zerborsten, und der Wind habe einen Teil des Daches weggerissen. Ein 76-jähriger Mann nahm sich nach dem Tornado das Leben, weil der Sturm sein Haus zerstörte.
Der Tornado zog gegen elf Uhr abends durch den 16 000-Einwohner-Ort nahe der belgischen Grenze. "Mit einem Mal sind die Fensterscheiben in meiner Wohnung durch die Luft geflogen", berichtete Anwohner Mustapha Rbide. Eine junge Frau musste mitansehen, wie das Kinderbett mitsamt ihrer Tochter durch das Zimmer flog - dem sieben Monate alten Baby passierte zum Glück nichts.
In Hautmont selbst trugen Dutzende Häuser schwere Schäden davon, mehrere wurden durch den Sturm völlig zerstört. Der Tornado riss Dächer, Mauern und Autos davon, auf den Straßen lagen entwurzelte Bäume und umgestürzte Strommasten.
Eine 61-jährige Frau aus Hautmont verletzte sich die Hände an herumfliegenden Glassplittern und musste im Krankenhaus behandelt werden, bevor sie ihrer Mutter und ihrer Tante in der Notunterkunft beistehen konnte. Die 81-jährige Tante verlor durch den Tornado ihr Haus; ihr gleichaltriger Mann wurde aus dem ersten Stock in den Garten des Nachbarn geschleudert und erlitt mehrere Knochenbrüche.
In Belgien hatte starker Regen Keller, Straßen und einige Bahnlinien überschwemmt. Das Wasser strömte nach Angaben des flämischen Rundfunksenders VRT auch in die Wohnung einer Seniorin in Bekkevoort: Die Frau stürzte und starb an Unterkühlung. Die Stadt Wavre südöstlich von Brüssel rief Katastrophenalarm aus, weil Feuerwehr und Zivilschutz mit den Unwetterfolgen überfordert waren. In Bree nahe der niederländischen Grenze räumten Rettungskräfte nach einem Deichbruch ein Altenheim mit 17 Bewohnern. In Châtelet brannte ein metallverarbeitender Betrieb nach einem Blitzschlag völlig aus. (AFP/ig)