Diese Woche muss sich ein Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Dem Mann wird vorgeworfen, den Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge am 9. Februar in Bad Aibling verschuldet zu haben. Das Bahnunglück - eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte - kostete zwölf Menschen das Leben. Unter ihnen befand sich auch ein Mann aus Spremberg. Er gehörte zum Bahnpersonal.

Der Fahrdienstleiter spielte damals bis kurz vor dem Zusammenstoß das Fantasy-Rollenspiel "Dungeon Hunter 5" auf seinem Smartphone, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Er soll in dem Spiel, in dem es um das Töten von Dämonen geht, einen Krieger rekrutiert und eine Mission gestartet haben. Dabei hätte er sein privates Handy im Dienst gar nicht benutzen dürfen.

Vom Spielen abgelenkt, schickte er den Ermittlungen zufolge beide Züge zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling gleichzeitig auf die eingleisige Strecke. Technische Vorrichtungen, die das eigentlich verhindern, setzte er durch ein Sondersignal außer Kraft. Als er den verhängnisvollen Irrtum bemerkte, beging er laut Anklage einen weiteren Fehler: Er wollte die Lokführer noch warnen, erwischte aber den falschen Knopf, sodass der Alarm nicht in den Zügen ankam.

Mehr als 20 Angehörige von Todesopfern sowie Schwerverletzte nehmen als Nebenkläger am Prozess teil. Ein zum Unglückszeitpunkt 17-Jähriger aus Rosenheim, der im Wrack eingeklemmt wurde und mit schwersten Verletzungen überlebte, hat schon angekündigt, dass er wenigstens an einem der sieben Verhandlungstage vor Gericht erscheinen will.

Rückblende: Faschingsdienstag, 9. Februar, frühmorgens. Auf der Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist nicht viel los. Um 6.47 Uhr krachen die beiden Züge mit einem weithin hörbaren Knall ineinander. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der andere bohrt sich in einen Waggon des anderen Zuges, schlitzt ihn regelrecht auf.

Den Rettungskräften bietet sich ein schreckliches Bild. Feuerwehrleute müssen Tote und Verletzte aus total deformierten Waggons holen. Der Zusammenstoß hat enorme Kräfte freigesetzt. Es dauert den halben Tag, bis auch das letzte Opfer geborgen ist. Drei Menschen erliegen in Krankenhäusern ihren schweren Verletzungen. Die erschütternde Bilanz: zwölf Tote und 89 Verletzte.