Ein Häftling soll geflohen sein. Der damalige Lagerkommandant Karl Fritzsch lässt die Gefangenen antreten und verkündet ihnen, dass für den Geflohenen zehn andere Männer als Geiseln im Hungerbunker ums Leben gebracht werden sollen. Fritzsch sucht die Geiseln aus. Darunter ist auch Franciszek Gjowniczek. Dieser wirft sich flehend dem Kommandanten vor die Füße und bittet um Gnade; denn er habe Frau und Kinder. Aber Gnade in Auschwitz?! Für die Menschen dort ist doch der Tod Programm. So bleibt auch Fritzsch hart. Tod jetzt. Da tritt plötzlich Maximilian Kolbe, ein katholischer Priester vor und bittet, für Gajowniczek sterben zu dürfen, damit dieser leben kann. Der Kommandant ist erstaunt. Dann aber willigt er in den Tausch ein. Maximilian Kolbe kommt in den Hungerbunker, und da er nach 14 Tagen immer noch nicht gestorben ist, wird er am 14. August 1941 durch eine Phenolspritze getötet. Franciszek Gajowniczek wird gerettet, überlebt und kommt nach 1945 sogar frei. Wer sich an dieses Ereignis aus der Schreckensherrschaft der Nazis erinnert, versteht vielleicht etwas besser, was die Bibel meint, wenn sie vom "Opfertod" Jesu für uns Menschen spricht, damit wir das ewige Leben haben sollen. Ein Leben bei und mit Gott. Hier auf Erden sind wir alle dem Tode geweiht. Da gibt es keine Ausnahme und kein Entrinnen.

Aber Gott selber hat in Jesus einen Weg aus diesem Todesgefängnis aufgezeigt. Quasi Gott selbst stirbt für uns, damit wir leben. "O große Not, Gott selbst ist tot..." heißt es in der Originalfassung des bekannten Passionsliedes. Wir singen heute "Gott's Sohn ist tot", um Missverständnisse auszuschließen, als ob Gott durch seinen eigenen Tod verschwinden kann. Nein, wie bei Maximilian Kolbe springt Gott durch Jesus für uns in die Bresche, damit wir in unserer vom Tode gezeichneten Welt einen wahren Lichtblick haben und zum Leben kommen!

Hans-Udo Vogler,

Rektor emeritus - Freienhufen