" Es sind die einzigen Sätze, die der Rentner in dem drei Tage dauernden Prozess sagt. Wenig später wird er verurteilt: zwei Jahre Haft. Diese Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt, dem Senior bleibt somit der Gang ins Gefängnis erspart. Doch der Führerschein wird ihm bis zum Lebensende entzogen.

Das Amtsgericht in der 17 000 Einwohner zählenden Kleinstadt, direkt an der Grenze zur Schweiz, hat am Mittwoch in einem Fall geurteilt, der im Mai 2016 überregional Schlagzeilen machte. Der Unfall mit den schwerwiegenden Folgen löste eine Debatte über Senioren als Autofahrer aus. Denn er wirft generelle Fragen auf, was die Fahrtauglichkeit von alten Menschen im Straßenverkehr betrifft. "Es ist ein gesellschaftliches Tabuthema. Die Gefahr, die von alten Menschen als Autofahrer ausgeht, wird stillschweigend toleriert", so der Anwalt der Nebenkläger in dem Prozess, Mathias Brenner. Der heute 85 Jahre alte Rentner war vor rund einem Jahr in Bad Säckingen in Baden-Württemberg mit dem Auto in eine Menschenmenge gefahren. Es gab zwei Tote und 27 Verletzte. Er hatte, wie er zugab, beim Wenden auf der Parkplatzsuche im Innenstadtverkehr Bremse und Gas seines Automatikautos verwechselt - oder war zumindest vom Brems- auf das Gaspedal abgerutscht. Er blieb, wohl aus Schock, auf dem Gas. In der Urteilsbegründung sagt die Vorsitzende Richterin, Margarete Basler: "Wir gehen davon aus, dass er das Gaspedal voll durchgetreten hat." Der Motor heulte auf und das Auto raste in die dicht bevölkerte Fußgängerzone, durch zwei Straßencafés mit Tischen und Stühlen und blieb erst an einer Sitzbank vor einem Modegeschäft stehen. Alles, was im Weg war, riss der Wagen mit. Der 85-Jährige sei altersbedingt nicht mehr in der Lage gewesen, richtig und sicher Auto zu fahren, so die Richterin. Er sei überfordert gewesen. Sonst hätte er die Irrfahrt durch die Fußgängerzone verhindert - indem er einfach den Fuß vom Gaspedal genommen hätte.

Dass Bremse und Gas verwechselt werden, kommt immer mal wieder vor, wie ein Sprecher des ADAC in München erläutert. Verkehrspsychologen des Automobilclubs haben das Phänomen untersucht. Bei Automatikautos, die bei Senioren beliebt sind, sei die Gefahr besonders groß. Hinzu komme, dass ältere Menschen nicht mehr so schnell reagieren könnten wie jüngere Fahrer: "Sie brauchen mehr Zeit, um einen möglichen Fehler zu korrigieren." In dieser Zeit fährt das Auto ungebremst. Das war auch in Bad Säckingen so, wie der Prozess ergibt. Das Auto, so stellt es das Gericht fest, beschleunigte in kurzer Zeit und raste sieben bis acht Sekunden mit 40 Stundenkilometern durch die Menschenmenge, bis es stoppte. Die kurze Fahrt durch die gut besuchte Fußgängerzone reichte, um zwei Menschen aus dem Leben zu reißen und viele andere zu verletzen. "Es war eine fatale Fehleinschätzung mit desaströsen Folgen", sagt einer der Anwälte der Hinterbliebenen, Christian Schürmann. Die Menschen hatten keine Chance auszuweichen. Der Unfall hatte eine Debatte über Senioren als Autofahrer ausgelöst. Das Bundesverkehrsministerium sowie der ADAC lehnten danach eine strengere Überprüfung von Senioren mit Pflichttests, wie sie beispielsweise Unfallforscher fordern, erneut ab. Der ADAC ruft Senioren aber dazu auf, sich selbst kritisch unter die Lupe zu nehmen und im Zweifel Rat bei einem Mediziner zu holen.