Schwan Helmut aus Altdöbern weicht nicht von der Seite seiner Freundin Auguste, die fast pausenlos am Putzen ist – Frauen eben! Sie ist ein etwa fünfjähriger Schwan und hatte sich bleibende Verletzungen am Hals zugezogen, als sie bei Tornitz gegen eine Leitung geflogen war.

Helmut ist flugunfähig und hatte, bevor er vor einem Jahr in die Heindel'sche Pflegestation kam, die Altdöberner in Atem gehalten, wenn er beispielsweise mal wieder am Straßenverkehr teilnehmen wollte. Die größten Sorgen machte sich immer seine Namenspatronin Elisabeth Hellmuth. Sie hat den Schwan über Jahre beobachtet.

Ein Singschwan, den die Naturwacht in die Redderner Pflegestation gebracht hat, kann dagegen bald wieder in die Freiheit entlassen werden. Der verletzte Flügel sei so gut wie verheilt, erzählt Gernod Heindel. Mit dem Schwan kann auch ein Sperberweibchen hoffen. Zum Jahresende wird es die Station ebenfalls verlassen.

Einige Rehe aber werden schon Jahre von den Heindels gepflegt. Wie seine Freunde wird wohl auch das Kitz Kleines Lieschen hier bleiben müssen. „Das hat eine Stoffwechselkrankheit und ist einfach nicht gewachsen. So klein wie ein Cocker kam es zu uns, noch dazu mit vier gebrochenen Läufen“, erinnert sich der Revierförster. Das Tier war bei Herzberg zu allem Elend noch von einem Heuwender erfasst worden. „Im Wald draußen hätte es keine Chance zu überleben, es würde immer das kleinste sein“, ist sich Gernod Heindel sicher.

Seppelliese hat's geschafft

Besonders viel Zuwendung brauchte Seppelliese. Pilzsucher hatten die Hirschdame gelähmt aufgefunden. „Sie wollte sich gar nicht erholen. Und als ich sagte, jetzt ist Schluss, damit sie sich nicht weiter quält, ging es plötzlich vorwärts. Meine Frau und die Kinder haben sie dann liebevoll aufgepäppelt“, erzählt er.

Maike hat Zootierpflegerin gelernt und ist jetzt im Cottbuser Tierpark beschäftigt. Als die Wasserschutzpolizei die Mimi, einen kranken Waschbär, in die Pflegestation nach Reddern brachte, machte sich die 24-Jährige daran und baute aus Brettern und Maschendraht in der Veranda eine Kinderstube für das Tier. Dieser Bau eignet sich nun weiter optimal für die Jungtieraufzucht.

Draußen im Gehege, nahe bei den Schwänen, tauchen hin und wieder Störche auf. „Wenigstens zwei von ihnen werden später auch ziehen“, stellt Gernod Heindel zufrieden fest. 22 Adebare waren es in diesem Jahr insgesamt, die hier gepflegt wurden.

Zu den kleinsten Bewohnern auf dem großen Grundstück am Waldrand zählen die Igel. Von den 70 stachligen Gesellen in jüngster Zeit konnten einige dank der milden Witterung wieder entlassen werden.

Größer als jedes Tier auf dem Hof ist der Wunsch von Gernod Heindel, dass sein Steinkauz-Projekt viele Freunde und Unterstützer findet. Seit 30 Jahren ist die Dorfeule verschwunden. Der Förster verfolgt das ehrgeizige Ziel, sie im Kreis wieder anzusiedeln. Dazu aber braucht er möglichst viele Verbündete, auch unter den Landwirten. Niedrige Weideflächen und Streuobstwiesen wären für das Vorhaben ideal. „Auch die Bauern brauchten sich nur ein bisschen zurückzunehmen, indem sie auf einem 15 bis 20 Meter breiten Stück am Waldkeine Insektizide einsetzen“, so seine Vorstellung.

Artenvielfalt ist sein Ziel

Denn sonst hätten zum Beispiel insektenfressende Vögel kaum eine Chance.

Vor über zwei Jahren hat der Revierförster mit dem Projekt begonnen. Er schätzt, dass wenigstens zehn Steinkauz-Paare notwendig sind, um auf Erfolg hoffen zu können. „Vier Pärchen haben wir gekauft. Ausgebildet werden sollen jagdfähige Jungvögel, die dann natürlich auch mit vielen natürlichen Feinden leben müssen“, erzählt er.

Für Gernod Heindel ist es wichtig, eine ausgesprochene Artenvielfalt zu erreichen. Die hat er seit Mitte der 1980er-Jahre schon in seiner Station gehabt: See- und Fischadler, Rothirsch, Fledermäuse, 222 Störche, 150 Bussarde, auch Turmfalken, 4000 bis 5000 Igel, außerdem Mauersegler, Eichhörnchen, viele Singvögel, Waldkäuze – insgesamt waren es wohl an die 140 verschiedene Arten.

Auf seinem Grundstück laufen Kraniche, Pferde, Hunde und der 18-jährige Keiler Rudi herum. Kaninchen, Meerschweinchen, ein Uhupärchen – wie eine Arche. „Urlaub in der Ferne brauchen wir nicht – das hier ist unser Leben“, erklärt Gernod Heindel und blickt auf seine Station.