Es war eine Stippvisite mit Folgen. Pfingsten besuchte Brandt mit seiner Familie Lübbenau. Vor ein paar Jahren war er schon mal da, hatte aber „Pech mit dem Wetter“. Pfingsten schien die Sonne, und wie in jeder Stadt wanderte Brandts Blick in die Höhe von St. Nikolai. „Ich gucke auf jeden Kirchturm.“ Dem Meister blieb nicht verborgen, dass die Zeiger der vier Ziffernblätter unterschiedliche Zeiten angaben.

Brandt fragte sich durch und erfuhr, dass die Uhr schadhaft war. Bruchstellen und fehlende Zähne an einem Rad, ein klapperndes Pendel, ausgeschlagene Gestänge an den Getrieben für die Zeiger, marode oder verschmutzte Lager. Klaus-Dieter Wanske vom Gemeindekirchenrat sagte vor gut zwei Wochen: „Ein über 100 Jahre alter Mensch hat ähnliche Schäden.“ In den zwei Wochen nun hatte Brandt das Uhrwerk in seiner thüringischen Werkstatt unter seinen Fittichen. Er hat Ersatzteile nachgebaut, anderes aufgearbeitet, geputzt und gefriemelt. Nunmehr ist der Kirchturm in Lübbenau ein Arbeitsplatz, an dem alles zusammengesetzt wird und auch dokumentiert wird. „Das es ein Rad zerdrischt, das ist schon ein ungewöhnlicher Schaden“, sagt Brandt. Deshalb will er seine Reparatur-Erkenntnisse im Internet veröffentlichen und der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie zur Verfügung stellen.

Dazu zählt auch sein „Synchronisationsgerät“. Die kleine Spule unterm pendel sorgt dafür, „dass die Uhr gebremst wird, wenn sie vorgeht und beschleunigt, wenn sie nachgeht“. So sollen die Zeiger an den vier Turm-Seiten die selbe Zeit anzeigen. Brandt besitzt dafür den „Gebrauchsmusterschutz“, eine Vorstufe des Patents.

Seine Erfindung soll nun mit dafür sorgen, dass die Lübbenauer Kirchturmuhr „lange Zeit läuft“. Wichtig sei die Wartung, dann könne sie gut 100 Jahre schaffen, sagt Brandt. Und weil so ein Uhrmachermeister ein einmal lieb gewonnenes Turmuhr-Kind nicht so einfach aus den Augen lässt, wird Brandt künftig einmal im Jahr nach Lübbenau kommen. „Ich habe die Patenschaft übernommen.“ Herbergsmütter und Gastronomen dürften sich ebenfalls freuen, dass aus der Stippvisite zu Pfingsten ein „Dauergast“ für ein, zwei Nächte wachsen wird.

Die gesamte Reparatur der Uhr wird wohl so um die 3000 bis 3500 Euro kosten. Geld, das die Kirchgemeinde nicht in ihrem Haushalt für das laufende Jahr stehen hat. Mehr als die Hälfte der Summe ist bereits durch Spenden zusammengekommen, doch weiteres Geld wird gebraucht. So sollen die drei kleinen Motoren, die die Gewichte nach oben ziehen, bessere Steuerteile erhalten. Damit könnten weitere Schäden vermieden werden.

Wanske: „Wir wollen keine Funkuhr im Turm, sondern das Alte erhalten und aufarbeiten, weil es zu unserer Geschichte gehört.“ Weitere Spenden seien willkommen – auf das Konto 3041005220 des Gemeindekirchenrates bei der Sparkasse Niederlausitz (BLZ: 18055000), Kennwort: Turmuhr.