Von einer neuen Qualität spricht die Telekom in einer aktuellen Mitteilung. Seit wenigen Tagen werden massenhaft gefälschte Rechnungen verschickt, in denen die Empfänger sogar mit Vor- und Nachnamen angesprochen werden. Bislang fehlte diese personalisierte Ansprache. Damit sei es für die Betroffenen schwerer, das Original von der gefälschten Mail zu unterscheiden.

Das Unternehmen rät, nicht leichtfertig mit seinen Daten umzugehen. Oft würden Mailadressen inklusive Vor- und Nachnamen aus Gewinnspielen gehandelt. Kriminelle bedienten sich aus solchen Listen oder aus einem Reservoir gestohlener Identitäten und können so personalisierte gefälschte Mails versenden.

Für Wolfgang Baumgarten bedeutet die neue Betrugsmasche noch mehr Arbeit. Dabei hat der Computerexperte bei der Cottbuser Verbraucherberatungsstelle schon jetzt genug zu tun. "Die Postfächer werden gegenwärtig mit Spams und Trojanern überflutet", sagt er. Trotz mehrerer Sicherheitsfilter habe er knapp ein Dutzend dieser Mails in seinem Postfach - zumeist vermeintliche Mahnungen oder gefälschte Rechnungen. "Bei meiner Frau sind in den letzten zehn Tagen vielleicht 70 dieser Mails zusammengekommen", ergänzt er.

In seiner Beratung nehmen die Fälle von Computer-Kriminalität derzeit einen großen Raum ein. "Doch mitunter melden sich die Leute erst, wenn es zu spät ist", sagt Baumgarten. Wer nämlich leichtfertig den Anhang einer Mail öffne, der riskiere, dass sein Computer nicht mehr funktioniert. Wer Glück hat, der wird die Schadsoftware mithilfe eines Virenprogramms wieder los. Helfe allerdings auch das nicht, muss sich der Betroffene unter Umständen eines externen Dienstleisters bedienen. "Da können schon Kosten von mehreren Hundert Euro zusammenkommen", so Baumgarten.

Eine weitere Gefahr: Durch spezielle Programme, die aktiviert werden, sobald der Anhang geöffnet wird, kann der Computer nach sensiblen Daten ausgespäht werden. So hätten Kriminelle die Möglichkeit, an Passwörter, Adressen oder Bankdaten zu gelangen. "Im schlimmsten Fall bestellt dann jemand im Internet etwas auf meine Rechnung", erklärt Wolfgang Baumgarten.

Klagen über zugemüllte E-Mail-Postfächer hört Baumgarten in seinen Beratungen am Turm in Cottbus "am laufenden Band". Das Phänomen habe in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Selbst versierten Computernutzern gelinge es kaum, sich komplett gegen die unerwünschte elektronische Post zu schützen.

Der Experte rät deshalb vor allem zu einer Vorsichtsmaßnahme - und die heißt Misstrauen. "Wenn ich Mails mit Anhängen von privaten Absendern erhalten, frage ich lieber noch einmal nach, ob sie mir auch wirklich eine entsprechende Mail geschickt haben - erst dann klicke ich auf den Anhang", verrät Baumgarten seine Strategie. Bei Mails, die von unbekannten Absendern stammen, kennt Baumgarten kein Pardon. Die wandern ungelesen in den Papierkorb.

Zum Thema:
Nicht nur im Internet lauert die Gefahr: So ist ein Rentnerehepaar am Montag in Cottbus betrogen worden. Die Senioren wurden laut Polizei aus einem Pkw heraus nach dem Weg zum Krankenhaus befragt. Um diesen Weg zu zeigen, stiegen die Eheleute in das Auto. Im folgenden Gespräch bat der Betrüger um 800 Euro für die Operation eines Verwandten. Aus ihrer Wohnung holten die Senioren 750 Euro. Als Pfand erhielten sie laut Polizei eine wertlose Handtasche. Das Geld und die Kriminellen verschwanden. In diesem Zusammenhang warnt die Polizei davor, Geld an fremde Personen zu übergeben. Große Beträge sollten nicht zu Hause aufbewahrt werden. Wer angesprochen wird, soll außerdem umgehend die Polizei unter Notruf 110 informieren.