Derzeit testen die Brandschützer des Unternehmens Vattenfall den Digitalfunk, unter ihnen auch Mitarbeiter der freiwilligen Feuerwehr in Spremberg. Eine umfassende Auswertung ihres Pilotprojekts liegt noch nicht vor, aber ein Aspekt dürfte zumindest den Polizeibeamten in Spremberg Sorgenfalten auf die Stirn treiben: Vor allem in großen abgeschirmten Industriebauten und im Tagebaugelände, wo es an erschlossener Infrastruktur fehlt, setzt der Digitalfunk immer wieder aus.

Und gerade in Tagebaugebieten liegt momentan ein Schwerpunkt polizeilicher Ermittlungsarbeit: Woche für Woche registrieren die Beamten Diebstähle von Arbeitsmaterial – zuletzt in der vergangenen Woche, als unbekannte Täter aus der Anlage in Welzow-Süd 700 Meter Kabel mitnahmen.

Doch was einmal beschlossen ist, wird in aller Regel durchgesetzt. Im Jahr 2003 entschied sich die Bundesregierung, den Digitalfunk schrittweise einzuführen. Seit dem Jahr 2008 erfolgt der Aufbau des Netzes im Land Brandenburg, und gegen Ende des kommenden Jahres sollen die Polizisten mit der neuen Technik arbeiten.

Netz ohne Landesgrenzen

Der Spremberger Ordnungsamts-Chef Frank Kulik sammelt die Argumente, die für und gegen den Digitalfunk sprechen – weil es zu seinem Job gehört und weil er die Stadtverordneten so detailliert wie möglich über die Konsequenzen informieren will. Da wären zum einen die Chancen, die das neue System bietet: „Es gibt dann ein einziges Netz, ohne Landesgrenzen“, sagt er. „Von jedem Funkgerät ist der Kontakt zu jedem anderen Funkgerät möglich, und das Land sichert den Netzbetrieb.“

So weit die Theorie. In der Praxis bedeutet die flächendeckende Einführung des Digitalfunks: Der Gesamtbedarf an Endgeräten im Land Brandenburg liegt bei 45 000 Exemplaren. Nach den Worten des Spremberger Ordnungsamts-Leiters gibt es noch „keine praktischen Erfahrungen“, ob das Netz im Ernstfall auch wirklich störungsfrei funktioniert. „Außerdem müssen wir mit recht hohen Einführungskosten rechnen“, sagt Frank Kulik.

Ein Fahrzeugfunkgerät kostet inklusive Einbau 2380 Euro, hinzu kommt ein Softwarepaket mit einem Preis von 300 Euro. Ein Handfunkgerät kostet 1087 Euro, der Preis der dazugehörigen Software liegt bei 202 Euro. Allein die Stadt Spremberg müsste demnach einen finanziellen Aufwand von 146 500 Euro einplanen. Bei Unterstützung seitens des Landes wären es noch 121 000 Euro.

Für das Land Brandenburg arbeitet Detlef Prussak in der Projektgruppe für Digitalfunk.

Insgesamt 170 StandorteEr erläutert: „Insgesamt werden rund 170 Funkstandorte für den gemeinsamen Digitalfunk der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in Brandenburg errichtet.“ Der Plan sehe eine nahezu flächendeckende Abdeckung vor. „Nicht überall ist eine Erreichbarkeit über Handsprechgeräte erforderlich“, sagt Detlef Prussak. Doch er versichert: „Gewährleistet wird die Erreichbarkeit über Fahrzeugfunkgeräte.“