Senftenberg. Auf besonders gefährdeten Alleen und an mit Bäumen gesäumten Straßen soll für Fahrzeuge generell das Maximaltempo 70 km/h angeordnet werden. Experten versprechen sich davon einen Rückgang der noch immer hohen Zahl von schweren Unfällen an Straßenbäumen.

Schwerpunkte bei Verkehrsunfällen mit Baum-Kollisionen im Schutzbereich OSL sind die Bundesstraße 169 und die Landstraße 49. Das teilt Polizeisprecher Ralph Meier mit. Zwischen Schwarzheide und Lauchhammer sind laut Statistik im vergangenen Jahr sieben Baumunfälle registriert worden, fünf der Beteiligten wurden verletzt. Zwischen dem Abzweig Großräschen und der Kreisgrenze Spree-Neiße der B 169 sind vier der sechs Verunglückten an Bäumen ernsthaft verletzt worden. Vier von fünf Personen, die auf der Landstraße zwischen Vetschau und Raddusch an einem Straßenbaum landeten, haben auch selbst empfindliche Beulen davongetragen. Verletzungen und Sachschäden sind nach Zusammenstößen mit Straßenbäumen meist gravierend. Für das generelle Tempolimit spricht deshalb: Die Aufprallenergie eines Unfallfahrzeuges kann durch eine von 100 auf 70 Kilometer pro Stunde reduzierte Geschwindigkeit um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen haben zudem ergeben, dass der Druck der Kraftfahrer aufs Gaspedal auch auf gutausgebauten Straßen außerorts bei Tempo-Beschränkungen tatsächlich am deutlichsten nachlässt.

Auch in diesem Jahr ist die Zahl der Baumunfälle hoch. Die Bundesstraße 169, vom Abzweig Großräschen bis zur Spree-Neiße-Kreisgrenze, birgt nach wie vor die größte Gefahr. Fünf Unfälle mit fünf Verletzten sind die Bilanz. Der Norden des Kreisgebietes ist mit der Landstraße 53 zwischen Großräschen und Altdöbern (vier Unfälle/zwei Verletzte), der Landstraße 54 zwischen Calau und Vetschau (4/3) und der Landstraße 549 zwischen Vetschau und Lübbenau (5/3) zum Schwerpunkt geworden.

Abhängig von Abstand und Anzahl der Bäume am Straßenrand werden die Verkehrsadern im Landkreis jetzt analysiert, bestätigt Kreissprecherin Dunja Matschke. Auch Straßen entlang von Waldgebieten nehmen die Straßenverwalter und Verkehrsexperten ins Visier. Das Straßenverkehrsamt werte die Ergebnisse aus und wolle reagieren.

Zum Thema:

Hintergrund Im Land Brandenburg sind im vergangenen Jahr 192 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen, 78 Verunfallte an einem Baum. Bei der Verkehrssicherheit ist Brandenburg im Bundesvergleich noch immer das Schlusslicht. Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger hat sich deshalb für ein flächendeckendes Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde auf Alleen und Straßen mit dichtem Baumbestand außerhalb von Ortschaften ausgesprochen. Ein Erlass fordert die Landkreise auf, die Verkehrsadern dahingehend zu überprüfen. Im Polizeischutzbereich Oberspreewald-Lausitz sind im Jahr 2010 bei 57 Baumunfällen drei Menschen tödlich, fünf schwer und 24 leicht verletzt worden. Vier der Fahrer standen unter dem Einfluss von Alkohol. Im laufenden Jahr (Stand September) sind bei 45 Baumunfällen bereits vier Verkehrstote sowie 13 schwer und sieben leicht verletzte Personen zu beklagen. Fünf Fahrzeugführer standen unter Alkohol oder dem Einfluss von Betäubungsmitteln.