Das Rentnerehepaar Born aus Grünewalde hat bisher alle Nepper, Schlepper und Bauernfänger erfolgreich abgewehrt oder wenigstens auf Distanz gehalten. Wer ihnen am Telefon die tollsten Gewinne versprochen hat, wurde abgewimmelt. „Wir unternehmen auch keine Butterfahrten und machen bei keinem Preisausschreiben mit“, versichert Werner Born. Und trotzdem ist ihre Telefonnummer dort gelandet, wo sie nicht hingehört: bei Telefonwerbern. Trotz des bundesweiten Verbotes machen die Überredungskünstler munter weiter.

Etwa Mitte September erhält Christa Born einen Anruf. Sie versteht, dass die Frau am anderen Ende Leitung im Auftrag einer Apotheke anruft und für ein gesundheitsförderndes Mittel gegen Altersbeschwerden wirbt. „Ich dachte, es wäre jemand aus jener Apotheke in Lauchhammer, wo ich immer meine Medikamente hole“, kombinierte die 77-Jährige. Trotzdem lässt sie sich nur darauf ein, dass ihr einmalig eine Probe des Ginkgo-Präparates für 9,95 Euro zugesandt wird. „Ich habe mehrmals danach gefragt. Jedes Mal gab es die Antwort, dass es sich nur um eine Probe handelt“, erinnert sich die Grünewalderin.

Am 10. Oktober kommen die Ginkgo-Pillen. Der fällige Betrag wird am 18. ktober fristgerecht überwiesen. Für das Ehepaar ist der Fall damit erledigt.

Doch nicht für die laut Briefkopf von Hamburg aus agierende Firma. Denn aus Sicht der Werberin am Telefon war das Erste ein Vertragsgespräch. Am 8. November folgte in einem Briefpäckchen „vereinbarungsgemäߓ die nächste Lieferung: die 2-Monats-Dosis für den Abo-Vorzugspreis von 54,80 Euro, einschließlich Bearbeitungsgebühr, aber angeblich immer noch günstiger als in der Apotheke.

Postwendend zurückgeschickt

Borns waren nicht zu Hause. Nachbarn nahmen das Päckchen an. Die Empfänger verweigerten die Annahme, indem sie die Sendung sofort zur Post brachten. „Wenn ich die Ware zurückschicke, muss ich auch keine Rechnung bezahlen“, ist auch für den Senftenberger Verbraucherschützer Harald Schäfer die Sachlage klar.

Doch es kam anders. Am 28. November wurden die Grünewalder von dem Lieferanten freundlich aber bestimmt aufgefordert, die „gute Entscheidung“ doch endlich zu bezahlen. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU wird den Rentnern klar, dass die in der ersten Post angekündigten Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit dem Widerrufsrecht nicht beilagen. Der Tipp der Verbraucherberatung, den angeblichen Vertrag sofort schriftlich zu widerrufen, kommt das Ehepaar per Einschreiben umgehend nach. Was folgt, ist erneut nicht das Ende der unliebsamen Geschichte, sondern eine erneute Mahnung.

Christa Born möchte endlich Ruhe haben und war schon drauf und dran, die Rechnung für die unaufgeforderten Produkte zu bezahlen.

Mahnverfahren abwarten

Doch Harald Schäfer sieht sie im Recht. Er rät, derartige Post zu ignorieren und erst bei einem gerichtlichen Mahnverfahren Widerspruch einzulegen. Dann müsse die Firma klagen und sich in der Folge gefallen lassen, dass ihre Geschäftspraktiken untersucht werden. Das wollen sie oftmals nicht und geben Ruhe. Im Übrigen stünden unaufgeforderte Werbeanrufe unter Strafe.

Der 83-jährige Werner Born hat fast den Glauben an das Gute verloren: „Es ist schlimm, wie heute die Leute reingelegt werden.“ Den Verantwortlichen müsse viel schneller das Handwerk gelegt werden.

Anrufe des Ehepaars bei der Firma auch nach dem schriftlichen Widerspruch, wie sie aus der Sache herauskommen können, liefen ins Leere. „Die haben einfach aufgelegt“, erinnert sich Werner Born.

Ihm und seiner Gattin ist der Schritt in die Öffentlichkeit nicht leicht gefallen. Aber sie hoffen, dass sie andere vor Schaden bewahren können.