Fritzl wird beschuldigt, seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang im Keller seines Hauses gefangen gehalten und sie dort tausendfach vergewaltigt zu haben. Die Tochter brachte in ihrem Verlies ganz allein sieben Kinder zu Welt. Sechs der Babys überlebten. "Dies ist die Tat eines Einzeltäters, nicht das Verbrechen eines ganzen Ortes, oder einer ganzen Nation", mahnte die Vorsitzende Richterin Andrea Humer zum Auftakt des ersten Verhandlungstages. Fritzl, der in einem hellgrauen Sakko mit dunkelgrauer Hose ohne Handschellen ins Gericht gebracht wurde, gab auf ihre Fragen mit leiser, aber zunehmend fester Stimme Antwort. Fritzl wird wiederholte Vergewaltigung, Inzest, fortdauernde Freiheitsberaubung und Sklaverei vorgeworfen. Außerdem wurde die Anklage auch um Mord durch unterlassene Hilfeleistung erweitert, weil er dem im Keller gestorbenen Baby medizinische Hilfe verweigert haben soll. Fritzl selbst bekannte sich in den Punkten Mord und Sklaverei ausdrücklich "nicht schuldig". Zu den Vorwürfen der Vergewaltigung seiner Tochter und der Freiheitsberaubung der Tochter und der mit ihr gezeugten Kinder antwortete er "schuldig" oder "teilschuldig". Staatsanwältin Christiane Burkheiser (33) wies die insgesamt zwölf Geschworenen zunächst in dramatischen Schilderungen auf die besondere Grausamkeit des Täters hin. Ausführlich widmete sich die Anklägerin dem Fall des 1996 geborenen Zwillings Michael, der nach der Geburt an einer schweren Atemwegserkrankung litt. Trotz des verzweifelten Drängens seiner Tochter habe sich Fritzl geweigert, das Kind in eine Klinik zu bringen. Der Säugling starb nach wenigen Tagen. Fritzl verbrannte den kleinen Leichnam in einem Heizofen. Verteidiger Rudolf Mayer wandte sich frontal gegen die Medien, die aus Fritzl ja längst "ein Monster" gemacht hätten. Mayer rief den Schöffen zu: "Außergewöhnlich an diesem Fall ist nur, dass sich jemand hier eine Zweitfamilie aufgebaut hat." Er fügte hinzu: "Wenn ich das nur wegen des Sex' mach, dann mach ich doch keine Kinder." dpa/ta