Schon am Eingang wird der Besucher fast überrollt. Nicht vom Segway-Fahrer, sondern vom ersten Werbezettel. Junge Unternehmer bieten Touren mit dem trendigen Elektro-roller an. Sogar Stadtrundfahrten sind möglich. Die fast lautlose, aber nicht ganz billige Fortbewegung für Gehfaule hat das Zeug dazu, das Seenland zu erobern.

Vor der Kasse stehen Jung und Alt am Sonnabend und Sonntag zeitweise an, ein gutes Zeichen für die Organisatoren. Die Lausitz-Messe kommt nach wie vor an.

Hier findet jeder etwas

Eine schnelle Übersichtsrunde auf der mit Ständen zugeparkten Hallenlaufbahn zeigt: Hier findet jeder etwas. Es ist ein bunter Mix, der hier und da jedoch an einen Wochenmarkt erinnert – mit Weihnachtsschmuck, Schlüpferstand, Stützstrümpfen, Spielzeug und ein wenig DDR-Nostalgie. Sogar der liebe Gott ist durch einige seiner Schäfchen vertreten und hat einen irdischen Werbestand gemietet.

Entfernungsmäßig dicht dran am Herrn sind die Sonneneinfänger. Das Unternehmen B 5 Solar hilft Hausbesitzern, Strom zu produzieren. Der Stand ist gut besucht. „Man merkt, dass die Leute sparen wollen“, sagt Thomas Mammitzsch vom Beratungszentrum Großräschen. Zunächst müssen sie aber in die Photovoltaikanlage auf dem Dach investieren. Trotz sinkender Einspeisevergütung lohne sich die nicht ganz billige, aber geförderte Anschaffung, weil die Energiepreise weiter steigen – um etwa 80 Prozent in den vergangenen zehn Jahren, sagt Mammitzsch. Über kurz oder lang werden nicht Niedrig-, nicht Passiv-, sondern Plusenergiehäuser das Rennen machen, ist der Berater überzeugt. Damit Häuser die Sonne optimal einfangen können, sollten Bauherren mancherorts weniger (Gestaltungs-)Vorschriften gemacht werden, sagt er. Strom, auch von der Sonne, tankt der Opel Ampera. Ab Januar steht er für rund 42 000 Euro bei den Händlern Bothe in Brieske und Hannuschka in Großräschen. Ampera-Praktiker Björn Wierskalla ist mit ihm im Alltagsgeschäft schon etwa 20 000 Kilometer quer durch Deutschland gefahren. Die Kombination aus bis zu 80 Batteriekilometern und Strom für weitere 500 Kilometer aus dem Benzinmotor mit Generator mache ihn alltagstauglich. Der Zusatzstrom werde aber in Zukunft aus Wasserstoff kommen, ist er überzeugt.

Christine Jenke aus Neupetershain fährt täglich insgesamt 50 Kilometer zur Arbeit und zurück. So ein E-Flitzer wäre das Richtige, schwärmt sie. Für einen Kleinwagen würden sie und ihr Mann Helmut aber höchstens 20 000 Euro ausgeben. Gleich mehrere Autohäuser zeigen ihre schmucken Wagen auf der Messe. Für Honda-Herrmann in Schwarzheide berät Juniorverkäuferin Claudia Helemann die Kundschaft. Sie ist zufrieden mit dem Zuspruch.

Ein Kraftwerk ins Haus setzen? Das geht. Die Blockbauweise macht es möglich. Wer Strom und Wärme selbst erzeugen möchte, lässt sich auf der Messe von Uwe Wackernagel von der Sperling Wärmesystem GmbH aus Hermsdorf beraten. Die für Laien von üblichen Heizungsanlagen kaum zu unterscheidenden Aggregate werden gern in Mehrfamilienhäuser und Kleinbetrieben mit höherem Warmwasser- und Stromverbrauch eingesetzt.

Aktionen locken Besucher

Nicht jeder Standbetreuer macht ein glückliches Gesicht. „Wer das Publikum anlocken will, muss mehr bieten, als Prospekte verteilen“, sagt Viola Beyer-Hoppe, Chefin der Messeveranstalterin pe+a aus Cottbus. Zum Beispiel wie Jan Przybilski mit seinen sportlichen Mitarbeitern vom Fitnessstudio Vital in Senftenberg: Auf dem Vibrationstrainer müssen die Besucher möglichst lange in der Skihocke bleiben. Die Besten liegen bei drei Minuten. Der Chef, selbst ein guter Skifahrer, schafft nur zwei.

Viola Beyer-Hoppe sieht die Messe in Senftenberg etabliert und niveauvoller im Vergleich zu manch ähnlicher Veranstaltung in der Region.