Die Nacht ist sternenklar. Es ist empfindlich kalt. Mit klammen Fingern schmettert die Berliner Band „Miserlou“ Ska und Klezmer über den Campus der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU). Die eingemummelten Zuhörer nehmen die flotten Rhythmen auf, rücken zusammen. Die Aufwärmphase ist nötig, schließlich haben die Organisatoren der Nacht-Tanz-Demo eine sportliche Strecke vorgegeben – vorbei am Club Bebel, durch die Ebertstraße zur Stadthalle und über Staatstheater und Weltspiegel zum Glad-House. Das ist gleich eine kleine Stadtführung für die Neuankömmlinge.

Zu ihnen gehört Mert Eser (25) aus der Türkei. Er steht mitten in der fröhlichen Menge. „Cottbus ist klein, aber cool“, sagt er auf Englisch. Dabei ließen das die Internet-Einträge und -Kommentare über die Stadt nicht vermuten. Im Gegenteil: „Die haben mich ganz schön erschreckt.“ Erst der Kontakt zu Cottbuser Landsleuten konnte ihn beruhigen. Jetzt ist er seit einer Woche BTU-Student.

Auch Selma Kosmas (24) und Josefina Hamutoko (21) aus Namibia hatten in Afrika nur „schreckliche Sachen“ über Cottbus gehört. „Das hier ist gut für uns“, sagt Selma und zeigt in die Runde. „Es gibt uns das Gefühl, dass wir aufgenommen werden und uns zu Hause fühlen können.“

Die Beats donnern durch die Nacht, schrecken so manchen ahnungslosen Cottbuser vom Sofa auf. Gesichter tauchen an den Fenstern auf, viele wippen dabei zur Musik. Die tanzenden Protestler winken ausgelassen zurück. Die Galerie Fango sendet bunte Morsezeichen, als der tanzende Protestzug am Haus in der Karlstraße vorbeizieht. Ein großes Plakat verkündet: „Colourful. Our art. Our town. Our life.“ Also: „Bunt. Unsere Kunst. Unsere Stadt. Unser Leben.“ Dafür gibt es eine extra Tanzeinlage.

Hannes Seidel (26) will Cottbus rocken. „Es gibt so viele Möglichkeiten zusammenzukommen. Das hier ist ein guter Grund.“ Julia Müller (24) sieht es genauso und fragt: „Gab es so etwas schon einmal? Tanzen durch Cottbus?“ Für sie ist es der beste Kommentar zu der dumpfen Gewalt Rechtsgesinnter und überhaupt nicht naiv.

Bei all dem Tanzen wird die Botschaft nicht vergessen. Die Reden sind erfrischend knapp, aber deutlich. Das gilt auch den BTU-Präsidenten Walther Ch. Zimmerli: „Wir setzen auf Internationalität an unserer Universität. Das lassen wir uns nicht von Halbkriminellen kaputt machen.“ Die Plakate der Studenten sind nicht minder explizit „Nazis sind Scheiße“ und „Fuck Racism“ steht da. Gegen 22 Uhr kommt der Protestzug vorm Glad-House an. Drinnen geht es weiter mit Tanzen.