Zarte Klaviertöne klingen am Samstagvormittag durch das offene Fenster des "Bergbauhauses" nach außen. Drinnen, im Saal des Senftenberger Landratsamtes, sitzen Lisa Krause (15) aus Spremberg und Richard Koal (15). Ein letztes Mal studieren die Musikschüler ihre Notenblätter für den großen Auftritt im 50. Regionalwettbewerb Süd von "Jugend musiziert". Das Duo in der Kategorie Klavier und Blasinstrument will sich am letzten Tag noch ein Ticket für den Landeswettbewerb sichern.

Über ein halbes Jahr haben die beiden Nachwuchstalente der Kreismusikschule Spree-Neiße zielstrebig auf diesen Moment hingearbeitet. Eine Viertelstunde haben sie Zeit, um vor der siebenköpfigen Jury ihr Können unter Beweis zu stellen. Dafür haben sich die Querflötistin und der Pianist Stücke von Michail Glinka, Paul Hindemith und Gaëtano Donizetti ausgesucht.

"Wir achten in dieser Kategorie darauf, ob die Schüler auch wirklich als Duo zusammenspielen", sagt der Jury-Chef Gabriel Zinke. Der Vorsitzende des Landesausschusses "Jugend musiziert" spielt selbst Geige. Zusammen mit seinen fachkundigen Kollegen achtet er auch auf die technische Umsetzung und eine gute Balance der Performance. Maximal werden 25 Punkte vergeben.

Die Besonderheit bei Ensemblemusikern wie Lisa und Richard ist, dass sie sich beim Bühnenauftritt blind verstehen müssen, erklärt Klavierlehrerin Elena Kundt. Zusammen mit Kollegin Birgit Schreiter von der Kunst- und Musikschule "Johann Theodor Römhild" betreut sie die 15-Jährigen seit mehreren Jahren. "Es ist wichtig, dass sie beim Auftritt dynamisch spielen und trotzdem auf die Details achten", sagt Kundt.

Als die beiden vor die Jury treten, fehlt vom anfänglichen Lampenfieber jede Spur. Mit Bravour meistern sie ihre Partituren. Den Juroren gefällt es sichtlich und am Ende vergeben sie 22 Punkte. Damit haben Lisa und Richard den Einzug ins Landesfinale nur knapp verpasst, denn dafür sind 23 Punkte nötig. Sie freuen sich trotzdem, eine gute Leistung präsentiert zu haben.

Und genau diese Freude sei auch ein Anliegen von Deutschlands wichtigstem Wettstreit für den musikalischen Nachwuchs, sagt Ulrich Stein, Leiter der städtischen Musikschule Oberspreewald-Lausitz. "Denn nur mit Spaß am Musizieren können die Schüler ihre Leistungen über einen langen Zeitraum allmählich steigern", erklärt er. Zudem lobt Stein die guten Bedingungen an den sieben Senftenberger Spielstätten: im Theater Neue Bühne, der Wendischen Kirche, im Konzertraum der Kreismusikschule, im Saal des Kreishauses, in der Begegnungsstätte des Arbeiter-Samariter-Bundes, der Sparkasse Niederlausitz und dem Senftenberger Rathaus. "Ohne das Engagement vieler Helfern hinter den Kulissen wäre das nicht möglich", so der Pädagoge.

Das sieht auch Chef-Organisator Michael Dittrich so. Für den Regionalwettbewerb bilanziert der Vize-Direktor des Cottbuser Konservatoriums "ein hohes Niveau quer durch alle Kategorien". Das spiegle sich auch im Ergebnis wider: Insgesamt schafften es 120 von 312 Jungen und Mädchen zwischen sieben und 27 Jahren in die nächste Runde und sind nun zum Landeswettbewerb delegiert, der am 22. und 23. März in Potsdam ausgetragen wird.

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Aus dem Kreis Spree-Neiße haben sich 24 Musikschüler für den Landeswettbewerb Mitte März in Potsdam qualifiziert. Im Bereich "Duo: Klavier/Blasinstrument" dürfen am Wettbewerb teil nehmen: Katharina Gurk (Klavier), Friederike Süß (Klavier), Lea Greiner (Querflöte) mit Konrad Bèla Eitner (Klavier), Cedric Franke (Waldhorn), Tom Zisowsky (Klavier) mit Richard Hentschel (Trompete), Konrad Klemba (Klarinette) mit Max Dambrowsky (Klavier), Hai Chu Ngoc (Klavier) mit Jonas Apelt (Posaune), Armin Moriabadi (Klavier). Folgende "Streicher (solo)" sind qualifiziert: Juanita Maulbrich, Dorothea-Friederike Reinkensmeier, Sophie Koalick, Charlene Joppe und Nora Richter (alle Violine). Bei den "Zupf-Ensembles" (Gitarre) haben sich Stefanie Bränzel, Lara Antonia Tietz und Sophie Winkel sowie Paul Abromeit für die Teilnahme qualifiziert. Mit dem "Akkordeon" können Anne Lamparsky und Eliza Müller am Landeswettbewerb teil nehmen. Im Bereich "Percussion" qualifizierte sich Javid Moriabadi.