Der Förderverein des Stadt- und Regionalmuseums Lübben hat Samstagnacht das Ende der kinematografischen Dauerausstellung „Verliebt in die Liebe“ gezeigt.

So hatte die Spreewaldstadt Sonnabend gleich zwei Kinos, eines ohne Tonanlage. Statt dessen haute mit Carsten-Stephan Graf von Bothmer ein waschechter Stummfilmmusiker pausenlos in die Pianotasten.

„Eine Perle der Filmgeschichte“, so hat Fördervereinvorstandsmitglied Philip Kardel Werk, Darsteller und Musiker vorgestellt. Mit „Faust, eine deutsche Volkssage“ wurde ein bereits Ende des 16. Jahrhunderts entstandener Stoff von Friedrich Wilhelm Murnau 1926 uraufgeführt. In der Rolle des Mephisto brillierend, wurde Emil Jannings erster Oscargewinner überhaupt. „Gretchen“ Camilla Horn lebte zeitweise in Lübben und ist in der Stadt keine Unbekannte.

Als profilierter Stummfilmpianist gilt Stephan von Botmer als einer der Besten Deutschlands. Dramatik, Spannung, Liebe, Tanz und Trauer, nach wenigen Anschlägen ist sein Publikum in der richtigen Stimmung. Texttafeln helfen dem Publikum beim Verständnis der Dialoge, der Pianist verzichtet komplett auf Noten.

Nach zwei Stunden Dauerspiel sind Gretchen und Faust im Himmel und Stephan von Botmer ist geschafft. „Man ist ganz selten richtig zufrieden, findet immer Optimierungsmöglichkeiten“, erklärte er.

„Ein tolles Erlebnis, wirklich wunderschön“, dankte Sebastian Franzka dem Musiker. „Ich habe den Film zwar schon ein paar mal gesehen, fand diese Form aber sehr beeindruckend“, sagte Initiator Philip Kardel.

Susann Fährmann „kannte Faustus bisher nur als Goethe-Drama. Aber mit dieser Schauspielkunst, die nur aus Körpersprache und Mimik besteht, entwickelte sich die Vorstellung mit dieser unheimlich eindringlichen Musik zu einem unvergesslichen Erlebnis.“