Seit einem Dreivierteljahr suchen sie vergeblich nach einer neuen Unterkunft.

Es dampft heiß aus dem großen Topf hinterm Tresen. Aniko Bartfai, die Vorsitzende des Studentenvereins, rührt mit der langen Kelle und lacht. „Gulasch für 1,50 Euro. Dienstags gibt es immer etwas Warmes“, sagt sie. Zwei Vereinsmitglieder, die die Zeit dafür haben, kochen. Und die „Muggefug“-Besucher, die langsam eintrudeln, genießen es.

Seit 1994 gibt es den Studentenklub „Muggefug“ in Cottbus. Bis Ende 2007 hatte er sein Domizil in der Papitzer Straße. Danach wurde der Keller im Lehrgebäude 9 der neue Hort der Kreativen. In den vergangenen Monaten haben hier Bands wie „The Dukes“, „Nape“, „Pandora“, die „Durstigen Nachbarn“ oder der Cottbuser Metal-Musiker Morbid Epiphany Klubatmosphäre genossen. Hier wird gequatscht und gekuschelt, diskutiert und organisiert. Und viele „Muggefug“-Besucher hören und rocken sich nicht nur durch die verschiedenen Musikrichtungen, sondern machen auch selbst Musik. Doch im Lehrgebäude 9 ist das bald Geschichte.

Der Bau, zu dem breite Treppen führen, war zu DDR-Zeiten das „Haus der Armee“. Mit der Gründung der BTU 1991 ging es in den Gebäudebestand der Universität über. Als Lehrgebäude 9 beherbergte es verschiedene Lehrstühle. Das Magazin der Universitätsbibliothek war hier vor dem Neubau des IKMZ untergebracht. Die Siebdruckwerkstatt war hier zu finden. Kinovorstellungen, Blasmusikkonzerte, Kindermusical-Proben, Studentenkabarett. Und auch der große Raum mit den Rundbögen im Keller hat was, schwärmt Florian Baumert: „Wir sind hier ständig am Umgestalten – wie wir es für unsere Veranstaltungen brauchen.“

Wenn die Tür zum großen Bühnensaal aufgeht, stolpern Bässe heraus. Auch ein Schlagzeuger spielt sich warm für die Jamsession. Die hat Tradition im „Muggefug“. Jeder, der Musik machen will, kann auf die Bühne und testen, wie er mit den anderen Musikern harmoniert. Das ist wie beim Jazz: losspielen, spontan mit einem Rhythmus oder einer Melodie experimentieren, sagt David Brunzel. Metal, Punk, Bossa, Jazz, ja, sogar Klassik habe er hier schon erlebt. „Vom Dudelsack bis zur Querflöte – alles war schon dabei. Und als ich eine Weile die Geige ausprobiert habe, bin ich hier damit auch aufgetreten“, erzählt er.

Der 23-Jährige ist einer der Nicht-Studenten, die sich im „Muggefug“ wohlfühlen – als Fotograf, Maler und Musiker fühle er sich angeregt. Paul Weisflog, Technik- und Kultur-Student, mag die offene sympathische Atmosphäre – „und welche Location in Cottbus hat so eine große Sammlung von gemütlichen Couchen?“

Bonny, ein Pekinese-Shitzu, mimt den Türsteher, beschnüffelt fast jeden neuen Besucher oder sitzt unterm Tisch der Gulasch-Genießer. Immer mal wieder hüpft ein Tischtennisball durch den Vorraum, auch Tischfußballkasten wird eifrig gezogen und gerüttelt. Seit einem Dreivierteljahr sucht der Verein eine neue Bleibe. „Wir haben viel rumgefragt, uns verschiedene Objekte angeschaut. Aber es war nichts Halbes und nichts Ganzes dabei“, sagt Florian Baumert. und seufzt. Wie Susett Tanneberger vom Referat Öffentlichkeitsarbeit/Marketing der BTU bestätigt, braucht die Uni das Lehrgebäude 9 nicht mehr für Forschung, Lehre oder Verwaltung.

Und aus haushaltsrechtlichen Vorschriften sei die BTU gezwungen, das Lehrgebäude 9 wieder in das allgemeine Grundvermögen des Landes abzugeben. „Dass der Stundentenklub deshalb ausziehen muss, ist schade“, sagt Susett Tanneberger. Die Universitätsleitung hoffe nun, dass andere öffentliche oder sogar wissenschaftsnahe Institutionen das Gebäude nutzen können. Am gestrigen Freitag fand das großes Abschiedskonzert statt. Die Hardrock-Band „The Dukes“ aus Berlin hatten in alter Verbundenheit zugesagt, bestätigt Aniko Bartfai. „Und einige Überraschungen gab es auch“, erzählt sie. Am ersten Oktoberwochenende wird dann ausgeräumt.

Aniko Bartfai war Gymnasiastin, als sie das erste Mal ins „Muggefug“ kam. Vor reichlich zwei Jahren übernahm die Studentin den Vereinsvorsitz. Sie ist optimistisch. „Auch wenn wir jetzt ausziehen müssen – der Verein lebt weiter. Aber wir brauchen dringend wieder eine Location – sie darf ruhig etwas kleiner sein. Der Klub ist nicht nur eine kulturelle Plattform. Sondern die Studenten können sich hier engagieren, selbstständig werden und frei entfalten. Betriebswirtschaftsstudenten sammeln bei uns praktische Erfahrungen. Und Anschluss findet hier jeder“, sagt Aniko.

80 Mitglieder – einschließlich der Ehrenmitglieder – hat der Verein, 20 von ihnen sind richtig aktiv und planen sonntags die Konzerte und was am Dienstag gekocht wird.