Krieger ist einer von 22 Studenten, die sich mit der Ausstellung „Best of Papa Jo's“ des Cottbuser Künstlers Jo Achermann und seiner Assistenten befasst haben. Die Ergebnisse des Seminars „Soziokulturelle Arbeit im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus“ sind seit dem gestrigen Mittwoch in der ersten Etage des Gebäudes 10 auf dem Campus der Hochschule, Lipezker Straße 47, zu sehen.

So wie Vetter in Detroit hat Krieger in Cottbus fotografiert: die alte „Mentana“, die Cottbuser Tuchfabrik, das Mosaik am Stadttor, das Denkmal in der Puschkinpromenade, eine Schmellwitzer Straße, die ins Leere führt.

Doch der 30-Jährige ist noch einen Schritt weiter gegangen. Auf einem Ledertuch verbinden sich ein stilisierter Stadtplan von Detroit im Jahr 1941 und eine Übersichtskarte von Cottbus 1971. Darunter ein blaues Tuch, in der Cottbuser Tuchfabrik produziert, das Alexanders Oma Wanda Lippert (80) dem Enkel zur Verfügung gestellt hat. „Sie hat in der Tuchfabrik gearbeitet“, erzählt der Student.

„Cottbus und Detroit liegen Tausende Kilometer voneinander entfernt“, sagt Krieger. „Und doch gibt es deutliche Parallelen. Was für Detroit die Autoindustrie war, war für Cottbus die Tuchproduktion. Und beides ist heute fast ausgestorben.“

Jörg Sperling, Kustos des Kunstmuseums Dieselkraftwerk, lobt das Ergebnis der studentischen Spurensuche. Alexander Krieger habe nicht nur eine sehr spannende Gegenüberstellung zwischen zwei Städten abgeliefert, sondern Impulse gegeben, die weit über Kunst hinausgehen. Ohnehin müsse, wer als Sozialarbeiter unterwegs sein will, den Rahmen der Kunstwelt sprengen.

Was die Beschäftigung mit Kunst in der Sozialarbeit vermag, hat ein Projektteilnehmer, der nur seine Initialen „CL“ preisgibt, eindrucksvoll mit seiner Arbeit „Kunstfreunde im Seniorenheim, wartend“ bewiesen. Die Heimbewohner bleiben nicht bei der Kunstbetrachtung stehen, sondern bauen selbst einen wartenden Mann.

Von Henry Moores Bronze „Nuclear energy“ aus dem Jahr 1967 hat sich Annette Bricks inspirieren lassen. Entstanden sind der „Kleine Waldschrat“ eines Neunjährigen und der „Alte Waldschrat“ einer Studentin.

Bereits im dritten Jahr arbeiten Hochschule und Kunstmuseum bei der Ausbildung von Sozialarbeitern zusammen, sagt Jörg Sperling. Am Anfang stehe ein Seminar, in dem die Studenten das Museum und die Sammlung kennenlernen, Antworten auf ihre Fragen bekommen und Kunstwerke genauer betrachten.