Zeitweise sah es so aus, als werde die Sitzung des Amtsausschusses am Montagabend zu einem Begräbnis erster Klasse für das Amt Döbern-Land und den Plänen zur Bildung einer Einheitsgemeinde. Bis in den späten Abend wurde erregt und emotional debattiert - auch vor dem Hintergrund des Briefs, den das brandenburgische Innenministerium nach Döbern geschickt hat. Darin heißt es, dass das vorgelegte Konzept für den Weg zur Einheitsgemeinde nicht überzeugend sei und wichtige Fragen zur künftigen Struktur und Infrastruktur außer Acht lasse (RUNDSCHAU berichtete). "Das, was wir hier abgeben, spiegelt genau die Situation wider, die uns das Innenministerium bescheinigt. Wir sind konzeptionslos, das muss man eindeutig konstatieren”, sagte die amtierende Ausschussvorsitzende Yvonne Fischer (CDU) sichtlich entnervt. Wenn man es nicht schaffe, sich zu grundlegenden Fragen zu positionieren, dann könne man den Amtsausschuss auflösen und das Amt gleich mit abschaffen: "In dieser Form sehe ich momentan keine Zukunft, wenn wir uns nicht selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.”

Doch der Weg aus dem Sumpf gestaltet sich schwierig. Was steht an erster Stelle - ein Zukunftskonzept in Sachen Schulen, Kitas und Feuerwehr oder die Bildung der Einheitsgemeinde, deren Gremien erst dann über diese Fragen befinden? Letzteres vertritt etwa Eberhard Müller (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Neiße-Malxetal und Verfechter der Einheitsgemeinde: "Die Entscheidung zu den einzelnen Feldern muss das gewählte Gremium dann treffen." Andere wie Yvonne Fischer wollen dies vorab geklärt sehen. Und Jörg Rakete (SPD), Bürgermeister von Döbern, erklärte: "Bevor Fakten geschaffen werden, möchte ich Fakten auf dem Tisch haben.” Die aktuelle Diskussion sei zudem "den Gemeinden übergestülpt worden." Dem widersprach Amtsdirektor Günter Quander (parteilos) - Konzept und Zeitplan seien in einstimmigem Auftrag des Amtsausschusses erarbeitet worden. Eberhard Müller ging der Hut hoch: Die erforderlichen Zahlen und Daten habe der Runde Tisch zum Thema vorgelegt - nur habe sich seinerzeit damit niemand beschäftigen wollen, vielmehr sei er im Amtsausschuss noch angefeindet worden.

Mittlerweile gibt es aber auch Gemeinden, die nicht mehr mitmachen wollen - zum Beispiel Hornow-Wadelsdorf. Die Bürger hätten sich bei einer Befragung mit knapp 65 Prozent für die Eingemeindung nach Spremberg entschieden, erklärte Bürgermeisterin und Ausschussmitglied Antoinette Leesker (Für Hornow-Wadelsdorf). Es werde bereits über einen Vorvertrag beraten. Der Schritt stehe aber einer Einheitsgemeinde nicht im Wege. Auch für die Tschernitzer und Wolfshainer ist die Einheitsgemeinde laut einer aktuellen Befragung nur zweite Wahl hinter einer Eingemeindung nach Spremberg, sagte Peter Drobig (Liste Bündnis 93). Für Beratungen, die allein die Einheitsgemeinde zum Ziel haben, stehe er folgerichtig nicht zur Verfügung. Vielmehr habe er Rudolf Keseberg zu einer Beratung vor Ort eingeladen, sagte Drobig der RUNDSCHAU. Keseberg ist Abteilungsleiter im brandenburgischen Innenministerium und Unterzeichner der kritischen Stellungnahme zum Konzept der Amtsverwaltung.

An dem, sagte Amtsdirektor Quander, müsse man nun arbeiten, wenn man die Einheitsgemeinde weiterhin wolle: "Wir brauchen kein neues Papier, das denselben Weg geht wie das alte.” Dazu könne externer Sachverstand hinzugezogen werden. Wenn alle Gemeinden an einem Strang zögen, könnte Potsdam die Genehmigung kaum verwehren. Man dürfe nicht beim ersten Gegenwind aufgeben, sagte Andreas Herkula: "Wer geglaubt hat, dass aus Potsdam etwas anderes kommt als so ein Brief, der hat geträumt." Die Leute könnten mit einer Eingemeindung keinesfalls zufrieden sein, betonte der Klein Kölziger Ortsvorsteher.

Die Ausschussmitglieder wollen nun trotz aller Querelen die letzte Chance zur Einigung ergreifen - auch wenn es, wie Quander sagte, "später als fünf vor zwölf” ist. Ob es nun eine Klausur geben wird oder alle Gemeinden das Votum ihrer Bürger einholen sollen, bleibt vorerst offen. Die Beratung wird am kommenden Montag, 9. September, um 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus in Döbern fortgesetzt.