Für die Bauaufsichtsbehörde ist die rechtliche Situation klar. Der Wintergarten sei ohne Baugenehmigung auf der Grundstücksgrenze errichtet worden. Eine Grenzbebauung sei aber nur zulässig, wenn eine massive Brandschutzmauer zum Grundstück des Nachbarn errichtet worden wäre. Die Wintergarten-Wand indessen ist aus Glas. Da der Anbau weniger als drei Meter vom Nachbargrundstück errichtet worden ist, hätte ein ,,Antrag auf Abweichung" gestellt werden müssen, erklärt Ilka Heinze, Sachbearbeiterin bei der Bauaufsichtsbehörde. ,,Ohne diese Voraussetzungen muss der Wintergarten abgerissen werden", sagt sie.

Widerspruch ohne Erfolg

Erika Thiede fühlt sich nun hin- und hergerissen. Einerseits möchte sie nur noch, dass der Streit um den Wintergarten endlich ein Ende hat. Andererseits will sie ihn auf keinen Fall abreißen. Sie fühlt sich ungerecht behandelt und kann die Probleme nicht nachvollziehen. ,,Auf der gleichen Fläche direkt am Haus, wo jetzt der Wintergarten steht, befand sich zuvor mein Schuppen, der den Vorschriften entsprach."

Deshalb hat sie Widerspruch gegen die Abrissforderung eingelegt. Dieser wurde im Mai vergangenen Jahres abgewiesen, für die Bearbeitung wurden 150 Euro Gebühr erhoben. Zudem droht das Amt damit, ein Zwangsgeld in Höhe von 2000 Euro zu verlangen, wenn der Wintergarten nicht verschwindet. Um ihn doch noch zu retten, stellte Erika Thiede am 2. Dezember den von der Behörde geforderten Antrag auf Abweichung. Dieser wurde allerdings nicht bearbeitet. Laut Ilka Heinze von der Bauaufsicht waren die Unterlagen mangelhaft. Dabei sei die Möglichkeit eines nachträglichen Antrages sogar ein Entgegenkommen der Behörde gewesen.

Laut Bauaufsichtsbehörde muss der Nachbar dem Antrag auf Abweichung zustimmen. Diese Zustimmung sei erfolgt, sagt Albrecht Papenroth. Er ist vom Besitzer des Nachbarhauses für die Verhandlungen bevollmächtigt worden. Papenroth, zugleich Vereinsvorsitzender des Mieterbundes Niederlausitz, besteht aber auf Errichtung der massiven Brandschutzmauer. ,,Vorschriften müssen eben eingehalten werden. Zudem stört sich der Nachbar an den zu öffnenden Fenstern. Er fühlt sich beobachtet." Sollte es zu einem Abriss des Wintergartens kommen und die Sicht zum Nachbargrunstück völlig frei sein, sei laut Papenroth sogar denkbar, dass der Nachbar selbst einen Sichtschutz errichtet.

Anwalt eingeschaltet

Mittlerweile hat die 69-jährige Erika Thiede den Wittichenauer Rechtsanwalt Helmut Schwarz eingeschaltet. Er hatte über Jahre auch die Familie Manteufel im Streit mit der Bauaufsichtsbehörde des Spree-Neiße-Kreises um den Abriss des Weskower Ladens vertreten (die RUNDSCHAU berichtete). Schwarz räumt im Fall des Spremberger Wintergartens seiner Mandantin bei einer Klage gute Chancen ein. Er verweist auf die Brandenburgische Bauordnung (BgbBO) und sagt, dass sich nach dem Abriss des Schuppens eigentlich nur das Baumaterial verändert habe.

Erika Thiede hofft aber immer noch, dass es nicht zur Klage kommen muss: ,,Die Sache hätte schon längst vom Tisch sein können. Ich fühle mich im Recht und werde auf jeden Fall bis zum Ende um meinen Wintergarten kämpfen."