„Ich habe mir extra freigenommen, und jetzt ist der Laden zu“, beschwert sich am Montagvormittag eine enttäuschte Kundin, die beim Spielzeug-Markt vor verschlossener Tür steht. Auch Familie Jacobitz muss unverrichteter Dinge wieder abziehen. Ein Zettel an der Schaufensterscheibe informiert sie, dass ein Stromausfall die Ursache für den unfreiwillige Schließzeit ist. Das Cottbuser Ehepaar reagiert verständnisvoll: „Wir wollten Geschenke für die Enkelkinder einkaufen. Dass das jetzt nicht geht, ist halb so schlimm. Aber die Geschäftsleute können einem leidtun. Die werden erhebliche Umsatzeinbußen haben.“

Während das Geschäft in den Läden auf der Ostseite des Centers und im Mittelgang normal weiterläuft, sind die meisten der Läden auf der Westseite von der Havarie betroffen, die am verkaufsoffenen Sonntag gegen 16 Uhr die Stromversorgung teilweise außer Gefecht setzte.

„Als der Strom ausfiel, haben wir die Mieter umgehend über die Ursache informiert. Die Kunden wurden freundlich gebeten, die Geschäfte zu verlassen. Wo es ging, wurde von Hand weiter abkassiert“, erzählt Center-Managerin Simone Herrmann. „Aus keinem der Läden haben wir Negativmeldungen über Diebstähle oder Plünderungen erhalten“, sagt sie. Das Gros der Kunden habe mit Verständnis reagiert.

Einige der Ladeninhaber sahen die Situation weniger entspannt. Geschäftsführer Andreas Haas kann das gut nachvollziehen: „Mitten im Weihnachtsgeschäft ist ein solcher Ausfall der Supergau. Gerade am vergangenen Wochenende kamen die Kunden in Strömen, die Parkdecks waren voll“, sagt Haas. Deshalb setzten Geschäftsführung und Management alles daran, die Stromversorgung schnellst möglich wieder herzustellen.

„Der Schaden ist aber so gravierend, dass unsere Haustechnik ihn selbst nicht beheben konnte. Und unsere Notstromanlage kann die Versorgung der Geschäfte nicht mit übernehmen. Sie ist darauf ausgerichtet, im Notfall die lebenserhaltenden technischen Einrichtungen wie die Rolltreppen, die Notbeleuchtung oder die Entrauchungsanlage am Laufen zu halten“, erklärt Haas. Ob das mit dem Bau der Elektroanlag beauftragte Unternehmen für den entstandenen Schaden in Haftung genommen werden kann, werde geprüft.

Einige der betroffenen Geschäfte verlegten sich am Montag notgedrungen aufs Improvisieren. In einem Confiseriegeschäft wurden die Pralinen mit der Küchenwaage abgewogen und die Preise mit dem Taschenrechner ausgerechnet. Und die Mitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens berieten ihre Kunden bei Kerzenschein und in Wolldecken gewickelt an einem Stehtisch vor dem dunklen Ladenlokal. „Wir versuchen einfach, das beste aus der Situation zu machen“, sagt Beatrice Prior.