Das Vergnügungsareal, das einst 1,7 Millionen Besucher pro Jahr zählte, verwandelte sich inzwischen in ein verwildertes Biotop, in einen Ort, „an dem die Zeit und die Karussells einfach stehen geblieben sind“, wie Stadtführer Rolf Strobel es formuliert. Er hat sich auf Touren durch den Stadtteil Treptow spezialisiert und führt regelmäßig über einen Teil des 30 Hektar großen Geländes, vorbei an umgestürzten Plastik-Dinosauriern, zugewucherten Schwanenbooten und dem rostigen Gerippe einer nie fertiggestellten Geisterbahn.

Das Holz der Treppe zur Achterbahn „Spreeblitz“ ist morsch, die Tribüne des Amphitheaters zum Teil abgestürzt und das Geländer unter dem Riesenrad am Rand weggebrochen.

Strobel hat Fotos dabei, die zeigen, wie der Park zu besseren Zeiten aussah – mit Blumen verziertem Hauptplatz, tanzenden Paaren vor dem Riesenrad und Vorführungen im Zirkuszelt. 1969 öffnete der Kulturpark als DDR-Prestigeobjekt seine Pforten, wie er erzählt. Durch Fahrgeschäfte aus nicht-sozialistischen Ländern sollte er sich von anderen Rummeln abheben.

Nach der Wende wurde der Park vom Berliner Senat an die Spreepark Berlin GmbH verkauft und unter der Schaustellerfamilie Witte als Spreepark zu einem modernen Rummel ausgebaut. Die Besucherzahlen blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. In der Saison 2001 kamen nur noch rund 400 000 Gäste. Die Betreibergesellschaft meldete Insolvenz an, nach jahrelangen Streitigkeiten mit Berliner Behörden, verbunden mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, was das Scheitern des Parks und den jahrzehntelangen Stillstand seit der Schließung betrifft.

Nach dem Aus wurden einige Fahrgeschäfte abgebaut und verkauft. Von der Loopingbahn stehen nur noch die Betonsockel. Die Natur hat sich inzwischen des Spreeparks bemächtigt: In den Fahrrinnen der Wildwasserbahn wachsen meterhohe Gräser. Die Wasseroberfläche des Sees am Riesenrad ist von einem grünen Film überzogen.

In den vergangenen zwei Jahren ist der Spreepark immer wieder vorübergehend zum Leben erwacht – etwa während eines Sommerfestes, bei dem erstmals wieder Karussells fuhren. Der Park diente als Filmkulisse, zum Beispiel für die Produktion „Wer ist Hanna?“ Auch langfristige Nutzungsideen gab es zuhauf seit der Schließung. Sie reichen von der Präsentation verschwundener Kulturen in einem „Lost World“-Freizeitpark bis zur Schaffung eines Horrorparks, über den Popsänger Marc Terenzi nach eigenen Angaben in der Zeitung „B.Z.“ derzeit mit dem Betreiber verhandelt.