Sie kommen tagsüber mit dem Fahrrad oder dem Auto, einer hatte wohl auch einen Hänger dran. Dann wird von der Streuobstwiese nahe Stradow geerntet, was die Transporter halten - nur ist das illegal.

Pächter der Fläche ist die Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald. Sie hat auf der Streuobstwiese ein Patenmodell initiiert (siehe Kasten). Doch jetzt sieht sich Stiftungschef Holger Bartsch um einen Teil der Mühen betrogen. "Wir sind informiert worden, dass von der Streuobstwiese geerntet wird, aber nicht von den Paten oder uns." Einer der Männer, die in Bartsch' Augen nichts anderes sind als Diebe, habe erklärt, das habe man "schon immer so gemacht". Doch der Stiftungs-Vorsitzende stellt klar: "Es gibt hier kein Gewohnheitsrecht." Zwar lag die Wiese bis vor zwei Jahren brach, doch dann hat sich die Stiftung mit Unterstützung manch prominenter Paten der Fläche angenommen. Und Letztere haben das Recht erworben, ihre Bäume selbst abzuernten. Nicht immer hat das auch wirtschaftliche Bedeutung, manchmal durchaus. So hat die Göritzer Agrar GmbH vier Patenschaften übernommen und verkauft das Obst als Spreewälder Original-Erzeugnis in ihrem Hofladen. Andere Paten überlassen der Stiftung die Ernte, die zur Mosterei Jank nach Burg gebracht wird. Gut eine Tonne Äpfel waren das bei der diesjährigen Ernte allein von den Bäumen, die die Stiftung und ihre Helfer pflückten.

Bartsch beklagt aber vor allem den ideell-moralischen Schaden. "Manch Pate will sein Obst selbst verwerten, da ist ein Diebstahl für ihn und uns ärgerlich." Deshalb will die Stiftung Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Sie appelliert gleichzeitig an die Bürger, ein Auge auf die Streuobstweise zu haben und die Stiftung über ungebeten Besucher zu informieren (Telefon: 03542 85473). Holger Bartsch: "Dabei geht es uns nicht um den einen Radfahrer oder Touristen, der sich mal einen Apfel holt." Zudem gelte: "Wer dort Obst ernten möchte, kann gern eine Patenschaft übernehmen." Schließlich stehen auf der Wiese 80 Bäume, 30 davon wurden durch die Stiftung neu gepflanzt.

Zum Thema:
Die Streuobstwiese zwischen Stradow und Burg dient dem Erhalt der Spreewälder Kulturlandschaft. Derzeit gibt es 16 Baumpaten, die mit einem Dreijahresbeitrag von insgesamt 90 Euro das Recht erwerben, ihren Baum abzuernten. Mit dem Geld bewirtschaftet die Stiftung die Fläche, kümmert sich mit Unterstützung von Fachleuten, um Pflege und den richtigen Schnitt der Bäume.