Es gibt zwei Varianten der Pflegezeit für Arbeitnehmer, die wie folgt geregelt sind:

Bei akutem Fall sofort zu Hause bleiben. W enn in der Familie akut auftretende Pflegesituationen zu meistern sind, können Berufstätige von heute auf morgen bis zu zehn Tage zu Hause bleiben. Der Mitarbeiter muss dem Chef nur sofort Bescheid geben. Der kann nicht Nein sagen, aber die Vorlage eines Attests verlangen .

Nach Antrag längstens für sechs Monate. Die zweite Variante der Pflegezeit gilt sogar längerfristig, längstens jedoch für sechs Monate. Nur Mitarbeiter in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern können sie allerdings verlangen. Der Mitarbeiter muss seiner Firma die Bescheinigung der Pflegekasse oder des Medizinischen Dienstes über die Einstufung in die Pflegestufe vorlegen. Anders als bei der Kurzzeitpflege muss die Pflegebedürftigkeit hier also schon feststehen (mindestens Pflegestufe I), wenn der Arbeitnehmer die Pflegezeit beantragt. Die sechsmonatige Pflegezeit ist zehn Arbeitstage vor Beginn beim Arbeitgeber schriftlich zu beantragen. Pferdefuß der Pflegezeit: Es gibt keinen Lohn. Nur bei der Kurzzeitpflege haben Arbeitnehmer mitunter Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Neue gesetzliche Regelung kurz vor Beschluss. Viele Angehörige können es sich nicht leisten, monatelang auf Gehalt zu verzichten. Die neue Familienpflegezeit soll dieses Problem lösen. Sie muss noch vom Bundestag abgesegnet werden. Vorgesehen ist das an diesem Donnerstag. Geht alles glatt, wird das Gesetz ab 2012 in Kraft sein. Dann können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit für zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche senken und erhalten zusätzlich zu ihrem Teilzeitlohn eine Aufstockung um die Hälfte ihrer Gehaltseinbuße. Wer zur Pflege eines Angehörigen statt Vollzeit nur noch 50 Prozent arbeitet, bekommt in der Pflegephase also 75 Prozent seines früheren Bruttolohns. Kehrt der Mitarbeiter nach der Pflegephase wieder an seinen Arbeitsplatz zurück, muss er Vollzeit so lange zum reduzierten Gehalt arbeiten, bis die Firma die aufgestockte Summe wieder drin hat. Arbeitnehmer haben aber keinen Rechtsanspruch auf die Familienpflegezeit. Der Arbeitgeber kann den Wunsch seines Mitarbeiters einfach ablehnen. Der Bundesrat befürchtet, dass kleine Unternehmen ihren Mitarbeitern die Familienpflegezeit wegen des damit verbundenen Bürokratieaufwands nicht anbieten werden. Ausführlich in test 10/11 von Stiftung Warentest