"In den 1740er-Jahren war Brühl auf dem Höhepunkt seiner Macht angekommen. Das war auch die Zeit, in der er Pförten und dann auch Forst in seinen Besitz brachte", erläuterte Klußmann zunächst bei einer kurzen Einführung in der Stadtkirche die Verbindung des einstigen Ersten Ministers Sachsens und der Stadt Forst. Kaum hatte Brühl die Stadt in Händen, brannte sie ihm aber auch schon ab. Mit dieser Katastrophe von 1748 begann der nachhaltig prägende Einfluss des Grafen für die Stadt.

Der im Auftrag Brühls durch den Architekten Johann Christoph Knöffel entworfene Stadtplan hat bis heute Einfluss auf das Bild der Stadt, etwa wenn man sich den damals durch die Auflösung des Friedhofs entstandenen Platz um die Stadtkirche betrachtet.

Dabei wagte allerdings auch Brühl nicht, die abgebrannte Stadt völlig neu zu gestalten. In weiten Teilen folgte der Plan den alten Grundstücken des mittelalterlichen Stadtbildes. Das hatte ganz handfeste Gründe, wie Klußmann zu berichten wusste. "Wer Bürger in Forst war, hatte das Braurecht", so Klußmann. In den Kellern unter den Grundstücken wurde das Bier fertigproduziert. Die Bürger waren daher sehr interessiert daran, dass sie ihre Grundstücke und Keller zurückbekamen. "Die Forster hatten damals meist mehrere Jobs, so wie man das heute aus Amerika kennt", so Klußmann. Das Bier sei ein wichtiges zweites Standbein gewesen. Und da der Stadtumbau im sächsischen Forst wesentlich "bürgerfreundlicher" verlief als etwa zur gleichen Zeit im preußischen Templin, musste Brühl eben Kompromisse machen.

Einem dieser Kompromisse ist auch der Standort des altes Rathauses geschuldet, von dem es heute nur noch Bilder gibt. Dort, wo heute der Platanenhain am Marktplatz steht, ragte nach dem Brühlschen Wiederaufbau das Rathaus empor - obwohl die Gräfin es lieber an anderer Stelle aufgebaut hätte. Auch ein Hotel und eine Übernachtungsmöglichkeit für den Kurfürsten am Marktplatz wussten renitente Forster Bürger zu verhindern.

Durchsetzen konnten sich Brühl und seine findigen Mitarbeiter allerdings bei der Gestaltung der Häuser. Im hellgelben Ton, den die Stadtkirche heute wieder trägt, und dem typischen Stil des Dresdner Rokoko war das Brühlsche Forst ein wahres Schmuckstück. "Das war eine schöne Stadt, wie man in Reisebetrachtungen aus dem 18. Jahrhundert immer wieder liest", wusste Klußmann zu berichten.

Geblieben ist davon nichts. Die letzten baulichen Reste sind mit der Überbauung zu DDR-Zeiten verschwunden. Lediglich Straßenführungen zeugen noch vom Brühlschen Ursprung - wie etwa der Lindenplatz. Auch wenn der eher unbeabsichtigt entstanden ist. Denn nicht alle Bürger hatten nach 1748 das Geld, den Brühlschen Vorgaben entsprechend neu zu bauen. Rund 40 Grundstücke blieben unbebaut, die Bürger zogen stattdessen nach Cottbus. "Was macht man, wenn man keine Bebauung hat? Grünflächen. Das war früher nicht anders als heute", scherzte Klußmann. Die Freifläche am Lindenplatz hat sich bis heute gehalten.

Verschwunden ist hingegen das alte Stadtschloss, in das Brühl die erste Tuchmanufaktur einziehen ließ - und damit den Grundstein für die spätere Forster Tuchmacherindustrie legte.

Viele weitere Details wusste Klußmann beim Stadtrundgang zu berichten. Vom Ort des einzigen Todesopfers des Stadtbrandes, vom Entstehungsort im Haus des Büchsenmachers Schulz, oder vom herrschaftlichen Gehege, das sich noch in der Namensgebung Am Haag oder der Haagstraße wiederfindet.

Dass Brühl allerdings auch zu tricksen wusste, zeigte Klußmann beim Blick auf die Tafel über dem Eingang der Stadtkirche. Dort klingt es, als habe Brühl den Bau aus eigener Tasche finanziert. In Wahrheit waren es Steuergelder - was erst nach seinem Tod herauskam.

Zum Thema:
Die sechste und letzte Sommertour in diesem Jahr führt am Mittwoch, 31. Juli, ins Glaswerk in Döbern. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Wer teilnehmen möchte, kann sich unter Telefon 0355 481595 anmelden. Auf dem Anrufbeantworter hinterlassen Sie bitte Namen und Telefonnummer und teilen mit, an welcher Sommertour Sie teilnehmen möchten. Alle, die bei der Tour dabei sein können, werden von der LR telefonisch informiert.

Zum Thema:
Marion Parnack aus Forst (l.): "Die Tour war sehr gelungen. Man hat viel erfahren, was man auch als Forster so noch nicht wusste."Udo Missol aus Guben: "Die Führung war sehr interessant. Für mich und meine Frau ist es eine Art Abrundung. Wir waren vor zwei Jahren schon bei der Sommertour zum Schloss in Brody dabei."Helga Lattke und Christa Richter aus Forst (u.); "Es war sehr gut. Wenn man andere Städte besucht, macht man ja auch eine Stadtführung. Da haben wir uns gesagt: warum nicht mal in der eigenen Stadt?"