"Die diffusen Einträge sind das Problem", sagte Eckhard Scholz, Leiter der Geotechnik bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Während punktuelle Einträge wie industrielle Einleiter messtechnisch genau erfasst werden können, sei das bei den diffusen Einträgen auf vielen Pfaden ins Spreewasser schwierig. "Die diffusen Einträge lassen sich nicht regeln oder steuern. Die LMBV versucht es", so der Geotechniker. Beim Oberflächenwasser habe das Defizit um zwei Drittel abgebaut werden können. "Der Speicher Bärwalde zeigt eine gute Güteentwicklung. Die Eisenfracht bleibt unter einem Milligramm pro Liter. Die Verdünnung der Spree durch das Wasser könnte zur Heilung beitragen", so der Experte von der LMBV. Zur Eliminierung des Sulfats wiederum sollen Pilotvorhaben entwickelt und begleitet werden. Favorisiert werde zurzeit das Elektrolyseverfahren. Doch so gut wie beim Oberflächenwasser gehen es beim Grundwasser längst nicht voran. "Hier sind die Defizite höher", sagt Scholz. Der alte Bergrat KeilhackNasse Füße in den Häusern, sehr wahrscheinlich stoffliche Austretungen und ein Abschluss des Prozesses erst hundert Jahre nach der Einstellung des Bergbaus - zu diesen drei Grundaussagen war der Geologe und Bergrat Konrad Keilhack (1858 bis 1944) im Jahr 1930 beim visionären Nachdenken über den Wiederanstieg des Grundwassers nach dem Braunkohlenabbau gekommen. Daran erinnerte am Montag Ingolf Arnold, Leiter der Geotechnik bei Vattenfall, als er von der Spremberger Stadtverordneten Dr. Ilona Schulz (Linke) gefragt wurde, warum all die Probleme nicht schon viel früher gesehen und öffentlich besprochen wurden. "Keilhacks Thesen haben sich als richtig erwiesen. Es gibt zwar viele Bergbaugebiete in der Welt, aber wir sind mal wieder die Ersten, die massiv mit diesem Problem zu tun haben", so Arnold.Das Problem war bekannt, es sollte nur nicht langfristig bekannt und in der Öffentlichkeit dargestellt werden, warf Wieland Böttger, Chef des Spremberger Nabu-Regionalverbandes, ein. Dass die in den Kippen und Restlöchern des Tagebaus gelagerten kommunalen und industriellen Abfälle, die Versalzungen und die Probleme durch die Verwitterung von Pyrit und Markasit das aufsteigende Grundwasser in der Lausitz besonders schwierig machen, sei schon im Jahr 2002 auf einer Informationsveranstaltung beim Landesumweltamt mit hochrangigen Vertretern aus Behörden, Politik und Wissenschaft festgestellt worden, so Böttger. Wolfgang Genehr, Leiter der Regionalabteilung Süd im Landesumweltamt, wehrte sich gegen den Vorwurf, die Sache nicht ernst genommen zu haben. "Seit 1990 sind wir mit dem Grundwasseranstieg und den Gewässern beschäftigt. Wir haben eine der modernsten Flussbewirtschaftungsmodelle, um ökologisch zu arbeiten", so Wolfgang Genehr. Doch betreffs des Sulfats würden ihm bisher keine Erkenntnisse vorliegen, dass es Auswirkungen auf die Pflanzen und Mikroorganismen oder das Trinkwasser habe. Das Wasserwerk Berlin Friedrichshagen und das Wasserwerk Briesen nutzen zu 70 bis 90 Prozent Spreewasser für ihre Trinkwasserproduktion. Die Trinkwasserverordnung lässt maximal 240 Milligramm pro Liter zu. Die LebensqualitätIlona Schulz und Wieland Böttger wiesen darauf hin, dass sich mit der Qualität der Spree auch die Lebensqualität der Bewohner der Stadt verschlechtere. Doch genügend rechtliche Gründe, deswegen Ausgleichsmaßnahmen zu fordern, sind das aus Sicht von Wolfgang Genehr nicht. Wie der Biologe Heiko Sonntag vom Sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft versichern konnte, gehe es den Fischen gut, problematisch sehe es hingegen bei den Pflanzen aus. Wieland Böttger habe beobachtet, dass es mit der Artenvielfalt an der Spree bergab geht - von den Mikroorganismen über die Wasserpflanzen bis zu den Vögeln. Neben den chemischen Messwerten, die laut Böttger immer nur Momentaufnahmen sein können, werden - wie auf sächsischer Seite - dringend biologische Beobachtungen gebraucht. Sprembergs Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU), den es als Biologen zur Vogelbeobachtung regelmäßig nach Bühlow und an die Talsperre zieht, wolle sogar darauf wetten, dass bei einer quadratmeterweisen Untersuchung der Schlammfläche die Artendichte deutlich unter dem liegt, was die Natur in Bühlow sonst bieten könnte. Eine Reihe von Vögeln aus den Vorjahren habe er nicht mehr gefunden. "Ich fürchte, ihnen fehlt die Nahrungsgrundlage, die haben sie sich inzwischen anderswo gesucht", so Schulze.Untersuchungsergebnisse für die diffusen Einträge, die Grundlage dieser Informationsveranstaltung in Spremberg sein sollten, lagen am Montag noch nicht vor. Erst am Ende des Jahres, das bestätigten mehrere Redner aus den zuständigen Behörden, könnten sie erwartet werden. Mit Kläranlage und ElbeTrotzdem versuchte Bürgermeister Schulze, die Veranstaltung mit einem positiven Fazit abzuschließen: Es saßen endlich mal alle Verantwortlichen und Beteiligten an einem Tisch. Alle sollten wieder kommen, wenn das Landesumweltamt die Analyse vorlegt. Danach könne konkret über Lösungsvorschläge nachgedacht werden. Ideen habe er schon einige gehört, sagte Schulze. Vom Bau einer Flusskläranlage in Sachsen bis zur Nutzung des Elbwassers für die Verdünnung der Spree. Er nehme alle Ideen ernst - und wolle auch die Frage nach den Kosten im Auge behalten.